Deutschland im Kinofrühling

München - Draußen lässt der Frühling noch auf sich warten, doch den deutschen Kinokassen lacht die Sonne: Nach Ablauf des ersten Quartals 2008 sind die Besucherzahlen im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum des Vorjahres um 38 Prozent, die Umsatzzahlen sogar um 38,8 Prozent gestiegen.

Was diese Zahlen noch erfreulicher für die Branche macht, ist die Tatsache, dass drei Filme aus deutscher Produktion großen Anteil an diesem Aufschwung haben, der schon jetzt auf ein sehr gutes Kinojahr hindeutet. Den kommerziell größten Beitrag dazu hat der sensationelle Erfolg von Til Schweigers Komödie "Keinohrhasen" mit bislang knapp sechs Millionen Besuchern geleistet. Dieser Streifen ist der mit großem Abstand bislang erfolgreichste unter allen 2008 gezeigten Filmen, auch wenn der kleinere Teil des Besucherstroms schon Ende 2007 verzeichnet wurde ­ "Keinohrhasen" startete am 20. Dezember.

Keine Überraschung sind hingegen die 1,6 Millionen bisherigen verkauften Karten für "DWK 5 ­ Die wilden Kerle". Diese Serie hat ein ebenso junges wie treues Stammpublikum. Die in nur drei Wochen gezählten 1,2 Millionen Besucher für den Problemfilm "Die Welle" mit Jürgen Vogel als Lehrer und Initiator eines gefährlichen pädagogischen Experimentes waren dagegen nicht unbedingt zu erwarten. Die deutsch-französische Produktion "Asterix bei den Olympischen Spielen" hat mit 1,5 Millionen Kinogängern ebenfalls Anteil am sonnigen Kinofrühling.

Dieser profitiert nicht zuletzt an der überwältigenden Publikumsresonanz für die Naturdokumentation "Unsere Erde", die nun schon rund drei Millionen Deutsche gesehen haben. Ungewohnt enttäuschend ist die Resonanz auf Roland Emmerichs neues Werk "10.000 B.C.", das auch nach vier Wochen Laufzeit noch nicht einmal eine Million Zuschauer vermelden konnte. Beim Oscar-Gewinner "No Country for Old Men" sind es sogar nur 500 000 Besucher, was ­ wie bei anderen US-Filmen ­ auch daran liegen könnte, dass der Originaltitel Kinobesucher ohne oder mit geringen Englischkenntnissen vom Kartenkauf abhält. Das trifft auch auf Paul Thomas Andersons Meisterwerk "There will be Blood" zu, nur 125 000 Zuschauer hat das Drama um Öl und Gier angelockt.

2008 kommen zumindest noch vier sichere Kassenschlager auf die Leinwände: Im Mai Steven Spielbergs "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels", im August "Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers", im November ein Abenteuer des unverwüstlichen "James Bond 007" sowie eine weitere "Harry Potter"-Folge.

Weder die Fußball-Europameisterschaften im Juni noch die Olympischen Spiele in Peking dürften das sich abzeichnende goldene Kinojahr beeinträchtigen ­ rosige Aussichten für eine Branche, die nach längerer Durststrecke endlich wieder aufatmen kann.

Auf den Stauffenberg-Film "Walküre" muss übrigens noch einige Monate gewartet werden: Zum zweiten Mal ist der Start verschoben worden. Wie "Variety" berichtete, soll das Werk mit Tom Cruise als Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg erst Mitte Februar 2009 anlaufen ­ und nicht Ende Juni 2008. Das Studio MGM begründete den Schritt mit besseren Aussichten auf höhere Einnahmen, wenn "Walküre" am langen "President's Day"-Feiertagswochenende startet.

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