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Schmückt sich mit fremden Federn und gibt ein Manuskript, das er gefunden hat, als das seine aus: Der mittelmäßige Autor Rory Jensen ( Bradley Cooper), hier in den Armen seiner Frau Dora (Zoë Saldaña).

"Der Dieb der Worte:" Leeres Versprechen

Berlin - Hübsch anzusehen, doch am Ende bleibt "Der Dieb der Worte" ein leeres Versprechen. Warum das Regiedebüt von Brian Klugman und Lee Sternthal enttäuscht - unsere Filmkritik:

Der selbstgefällige Erfolgsautor Clay Hammond (Dennis Quaid) wird von der ambitionierten Literaturstudentin Daniella (Olivia Wilde) bezirzt, nachdem er bei einer Lesung seinen neuen Roman vorgestellt hat. Darin geht es um einen mittelmäßigen, erfolglosen Schriftsteller namens Rory Jensen (Bradley Cooper): Im Geheimfach einer Aktentasche, die ihm seine Gattin Dora (Zoë Saldaña) geschenkt hat, findet er das Manuskript eines Nachkriegs-Liebesromans, gibt es als eigenes Werk aus und wird zum gefeierten Star der Literaturszene. Eines Tages setzt sich ein alter Mann (Jeremy Irons) neben ihn auf die Parkbank, entpuppt sich als wahrer Autor des Buchs und erzählt Rory dessen tragische Entstehungsgeschichte: Als junger Soldat (Ben Barnes) hatte er sich im Zweiten Weltkrieg in die Französin Celia (Nora Arnetzeder) verliebt, doch die Beziehung der beiden war am Tod der gemeinsamen Tochter zerbrochen. Für ihr Regiedebüt wählten die Autoren Brian Klugman und Lee Sternthal eine unglaubwürdige, unnötig verschachtelte Konstruktion, die von der klebrigen Filmmusik nur notdürftig zusammengehalten wird. Ihre sterile, ermüdende, kreuzbiedere Inszenierung findet keine Bilder für Leidenschaft oder Verzweiflung und gleitet stattdessen in Kitsch und Klischees ab. Ein Fokus oder eine Dramaturgie sind nicht erkennbar, die Figuren in allen drei Erzählebenen nur oberflächlich ausgearbeitet.

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Bradley Cooper wirkt in der Rolle des Schriftstellers überfordert, schaut vorwiegend gequält und ist meilenweit entfernt von seiner Meisterleistung in „Silver Linings“. Jeremy Irons, durch Tonnen von billigem Make-up auf Alt getrimmt, überzeugt durch ruhiges, intensives Spiel. Dennis Quaid grinst und grimassiert hingegen aufdringlicher denn je, Ben Barnes bleibt blass, und die drei talentierten Darstellerinnen sind hier nichts weiter als schmückendes Beiwerk.

Nach einer Stunde verkündet der alte Mann: „Warten Sie, es ist noch nicht zu Ende. Jetzt fängt es erst an, interessant zu werden.“ Schön wär’s! Jetzt könnte zum Beispiel ein spannender Erpressungsthriller beginnen. Oder ein Psychodrama über das moralische Dilemma des Titelhelden. Oder eine Satire auf den Literaturbetrieb. Oder eine Reflexion über das Verhältnis von Realität und Fiktion. Stattdessen: nichts! Das Geschichte-in-der-Geschichte-Konstrukt wirkt wie eine äußerlich hübsche und innen völlig leere Matrjoschka. Unverzeihlich, dass ausgerechnet ein Film über die Macht der Worte geprägt ist von uninspirierten Dialogen und platten, schwülstigen Off-Kommentaren. Vielleicht hätten die beiden Autoren lieber ein gefundenes Drehbuch als ihr eigenes ausgeben und verfilmen sollen…

Marco Schmidt

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