Direkt ins Herz des Publikums getroffen

- Zé Pequeno ist ein kleiner Teufel. Sein Lachen wird der Zuschauer so schnell nicht wieder vergessen, die aufgerissenen Augen, vor allem, wenn er noch ein Kind ist, erst neun oder zehn. Mit 17 ist er bereits der Chef der ganzen Favela, und die Toten, die dieser sadistische Mörder und eiskalte Drogendealer, eine Zeitbombe in Menschengestalt, auf dem Kerbholz hat, gehen an die 100. Er ist eine von mehreren zentralen Figuren in "City of God", einem Film, wie man ihn noch nicht gesehen hat. Eine Sensation.

<P>Die Story spielt in den Slums von Rio de Janeiro. Sie beginnt in den späten 60ern und reicht bis in die 80er-Jahre. Die meisten Kinder werden Drogendealer, Killer, verelenden, sterben früh. Nur einem, dem Ich-Erzähler Buscapé, der die Handlung eher vom Rand beobachtet, gelingt es, seiner Herkunft zu entfliehen.<BR><BR>Der Brasilianer Fernando Meirelles, begann als Werbefilmer. Das schult im schnellen Erzählen, im Finden von Bildern. "City of God" ist dadurch trotz seiner Thematik ein kurzweiliger Film. Meirelles gelingt hier eine neue Antwort auf die alte Frage, wie sich Elend und Gewalt zeigen lassen. Wie man der Falle der Einfühlung entgeht, die aus der Perspektive der Wohlstandsgesellschaft immer etwas zwangsläufig Verlogenes, bestenfalls Anbiederndes hat. Dieser Film hat eine kluge Beiläufigkeit, verzichtet auf erhobene Zeigefinger und steht damit stellvertretend für den bemerkenswerten Aufschwung, den das lateinamerikanische Kino in den letzten Jahren erlebt.<BR><BR>Durch Filme wie "Amores Perros", "Y tu mama tambien" oder "City of God" entsteht ein Kino mit einer fast unglaublich authentischen Aura, das dabei harten Sozialrealismus mit Stilisierung und Pop-Ironie verbindet, ohne seine Themen je der reinen Pose zu opfern. Schmerzhaft intensiv trifft Meirelles direkt ins Herz des Publikums, erreicht in seinen besten Momenten den Glanz des frühen Scorsese. </P><P>- läuft in folgenden Kinos<BR><BR>"City of God"<BR>mit Alexandre Rodrigues,<BR>Matheus Nachtergaele<BR>Regie: Fernando Meirelles<BR>Hervorragend </P>

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