Diva-Gala ohne Diven

München - Es war eine Diva-Gala, aber Diva wollte eigentlich keiner der Prominenten und Prämierten am Donnerstagabend sein. So übten sich die Schauspieler, Regisseure, Produzenten und Filmmanager bei der 18. Verleihung der Diva Entertainment Preise in München in Bescheidenheit.

Die britische Schauspielerin Vanessa Redgrave (70), ihr Ehemann, der italienische Schauspieler Franco Nero (66) und Oscar-Preisträger Maximilian Schell verliehen der Gala mit 450 Gästen eine gewisse Grandezza - und alle fühlten sich wie in einer großen Familie.

Offene Worte fand der 77-jährige Schell, der die bronzene Frauenstatuette für sein Lebenswerk bekam: "Preise kann es nicht genug geben, es gibt ja auch genug Schauspieler." Schell hatte 1962 einen Oscar für seine Rolle in Stanley Kramers "Das Urteil von Nürnberg" bekommen. Mit feiner Ironie rezitierte der in seinem Leben viel ausgezeichnete Regisseur und Schauspieler am Ende der vierstündigen Gala ein Gedicht von Kurt Tucholsky ("An das Publikum") von 1931 über die damalige Film- und Medienwelt: "Es lastet auf dieser Zeit der Fluch der Mittelmäßigkeit", heißt es darin. Die Laudatio auf Schell hielt Entertainer Thomas Gottschalk. "Du bist nicht nur ein künstlerisches Ausnahmetalent, sondern auch menschlich groß", sagte Gottschalk. Schell habe sich für seine Schwester Maria aufgeopfert. "Es ist wie eine große Familie hier", fasste Nero, der durch seine Rolle im Italo-Western "Django" berühmt wurde, das Gefühl vieler Stars an dem Abend zusammen. Nero, Redgrave sowie der Musikmanager und frühere Ariola-Chef Monti Lüftner wurden unter "Bravo"-Rufen in die Diva-Ruhmeshalle "Hall of Fame" aufgenommen. Über Redgrave urteilte die Jury, die schiere Zahl ihrer denkwürdigen Auftritte raube einem den Atem. Redgrave, die sich seit Jahren politisch engagiert, sei die "Unbequeme, die nicht schweigt, wenn Unrecht geschieht". Die Schauspielerin, gekleidet in einen schlichten schwarzen Hosenanzug im Indien-Stil mit einem bunten Schal über der Schulter, sprach vom Licht und Schatten der Filmwelt, vom Streben nach Ruhm: "Darum geht es."

Insgesamt wurden 14 undotierte Publikums-, Jury- und "Hall of Fame"-Preise vergeben. Schauspielerin des Jahres wurde Nina Hoss, die auch schon den Silbernen Bären der Berlinale 2007 eingeheimst hatte. Sie spiele in Filmen ("Yella", "Das Herz ist ein dunkler Wald"), die "wirklich eine Herausforderung" seien, sagte der Schauspieler Michael Mendl in seiner Laudatio. Hoss bedankte sich artig und erzählte, dass Mendl schon ihr Babysitter gewesen sei.

Schauspieler des Jahres wurde Benno Fürmann, der durch seine Nacktszene auf dem Berliner Ku'damm im Kinofilm "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlechter einparken" Aufsehen erregte. Fürmann traue sich "wahnsinnig viel", lobte Regisseur Leander Haußmann. "Du bist ein Spieler mit der ganzen Faser deines wohlgeformten Körpers." Für die beste Regieleistung wurde Michael "Bully" Herbig ("Lissi und der wilde Kaiser") mit der Diva ausgezeichnet.

Die Diva als Talent des Jahres erhielt Natalia Avelon für ihre Rolle als Uschi Obermaier in dem Film "Das wilde Leben". "Manchmal habe ich Angst, dass ich aus einem Traum aufwache, und es ist alles nicht real", sagte sie. Erstmals wurde eine Diva auch für die beste künstlerische Leistung im Internet vergeben. Der Preis ging an die erst 14-jährige Sängerin Mina, die durch einen selbst gedrehten Internet-Clip zum Popstar wurde. "Ich kann leider nicht so lange bleiben wie Sie, weil ich morgen um acht zur Schule muss", sagte sie. Prämiert wurde auch Maria Furtwängler für ihre schauspielerische Leistung in dem ARD-Zweiteiler "Die Flucht".

Es war ein Abend ohne große Posen und Roben. Vielleicht waren die Promis aber auch müde von den Partys, denn München feiert schon seit einer Woche - erst den Bayerischen Filmpreis, dann der Filmball, dann die Diva. Barbara Wussow, Verena Pooth - eine Diven-Rolle wollten auch sie nicht für sich beanspruchen. "Ich bin noch ein bisschen weit weg von einer Diva", sagte Verona Pooth. "Aber ich würd' es schon als Kompliment auffassen."

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Trailer zu „Why him?“: Nicht gesellschaftsfähig
München - John Hamburgs „Why him?“ variiert fantasielos das Duell Schwiegervater-Schwiegersohn.
Trailer zu „Why him?“: Nicht gesellschaftsfähig
„Hell or High Water“: Kein Land für arme Schlucker
München - „Hell or High Water“ ist ein höllisch unterhaltsames Katz-und-Maus-Spiel im modernen Wilden Westen.
„Hell or High Water“: Kein Land für arme Schlucker
„Bob, der Streuner“: Der Junkie hat einen Kater
München - Roger Spottiswoode verfilmte den Bestseller „Bob, der Streuner“ angenehm kitschfrei.
„Bob, der Streuner“: Der Junkie hat einen Kater
Kritik zum Kinofilm „La La Land“: Hinreißende Liebeserklärung
München - „La La Land“ ist eine gesungene und getanzte Liebeserklärung an das Leben, die Leidenschaft und Los Angeles.
Kritik zum Kinofilm „La La Land“: Hinreißende Liebeserklärung

Kommentare