Drama um "Hollywood"-Schriftzug

Los Angeles - Sie zählen zu den meist fotografierten Buchstaben der Welt. Wer Los Angeles besucht, nimmt den berühmten Schriftzug in den Hügeln von Hollywood ins Visier.

Seit den 1920er Jahren thronen die neun riesigen Buchstaben an einem steilen, grünen Hang als Wahrzeichen über der Filmmetropole. Doch das Bild könnte sich bald ändern. Auf dem "Cahuenga Peak", dem 555 Meter hohen Gipfel, ein kleines Stück westlich hinter dem H gelegen, steht mitten im Grünen ein riesiges Grundstück zum Verkauf. Die Stadtväter schlagen Alarm. Neubauten könnten bald das berühmte Motiv verschandeln.

Die Maklerfirma lockt mit einem "phänomenalen Ausblick" in einmaliger Lage und fordert 22 Millionen Dollar. Bis zu fünf Luxusvillen hätten auf dem luftigen Plateau Platz. "Wir haben Anfragen aus aller Welt erhalten, aus China, Japan und vielen Teilen Europas", erzählte Maklerin Sarah Blanchard von der Firma Teles Properties in Beverly Hills am Mittwoch auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Jemand mit einem exquisiten Geschmack wird dieses unglaublich schöne und sensationell gelegene Grundstück zu schätzen wissen". Blanchard schwärmt von dem Rundumblick über die gesamte Stadt bis zum Pazifik.

Das 55 Hektar große Landstück kann nach früheren Bauplänen in fünf Parzellen geteilt werden. Auf jeder hätte eine Riesenvilla Platz. Zwar würde kein Gebäude den direkten Blick von der Stadt auf einen der Buchstaben verstellen, aber für viele Bewohner von Los Angeles ist jedwede Bebauung im Hintergrund des Schriftzuges schon ein Schandfleck. "Der Berg darf doch nicht vollgestopft werden", wetterte der langjährige Stadtrat Tom LaBonge in der "Los Angeles Times". "Paris hat den Eiffelturm, London hat den Big Ben, Sydney hat sein Opernhaus. Dieses Stück Land ist unser Wahrzeichen."

Das Luxusgrundstück wäre beinahe schon 1940 bebaut worden. Der exzentrische Flugpionier und Filmmogul Howard Hughes hatte das Stück Land damals erworben, um dort für seine Geliebte, Ginger Rogers, ein Liebesnest zu bauen. Die Beziehung ging zu Bruch und damit auch das Bauvorhaben. 2002 kaufte die Investorengruppe Fox River aus Chicago den Hughes-Erben die Parzelle für knapp 1,7 Millionen Dollar ab. Seitdem kratzte die Stadt Los Angeles knapp sechs Millionen Dollar zusammen, um den Grund und Boden zurückzukaufen und ihn so vor privater Bebauung zu schützen.

Dieser Traum platzte jedoch, als die Investoren im Februar 22 Millionen Dollar forderten. Fox River-Investor Keith Dickson hält das preiswert erworbene Grundstück für eine regelrechte Goldgrube. "Das war so, als wenn man ein echten Van Gogh auf einem Flohmarkt entdeckt", sagte er der "New York Times".

Die einzigen Nachbarn in dem unberührten Hügelland sind die neun Buchstaben. Der erste Schriftzug war 1923 als Werbegag einer Maklerfirma für Grundstücke in den unbewohnten Hügeln aufgestellt worden. Aus Telefonmasten, Stoff- und Holzresten wurden die Buchstaben "Hollywoodlands" zusammengezimmert und mit 4000 Glühbirnen beleuchtet. In den späten 40er Jahren kippte zunächst das "H" um, der Rest neigte sich zur Seite und verrottete. 1978 griffen die Handelskammer von Hollywood und einige prominente Geldgeber ein. Playboy-Chef Hugh Hefner bezahlte ein neues "Y", Schock-Rocker Alice Cooper spendete ein "O". 2005 erhielten die 15 Meter hohen Buchstaben ein weiteres Facelifting. Sie wurden gereinigt und neu angestrichen.

Der Schriftzug hat Erdbeben und bedrohlich nahe Waldbrände überstanden. Er trotzte auch dem Vorhaben einiger Stadtpolitiker und Studiobosse, die das Denkmal 2001 als Symbol für die Unterstützung der US-Truppen in Übersee in den Farben der amerikanischen Flagge bemalen wollten. Ein Stadtrat-Komitee lehnte dies am Ende ab.

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