Drang nach Freiheit

- Kino aus Indien, selbst wenn es die inzwischen auch hierzulande bekannten Genrekonventionen des "Bollywood"-Stils erfüllt, bedeutet nicht notwendig Familiendrama oder Liebes-Herz-Schmerz. Wie politisch und inhaltlich hochinteressant gerade das jüngere indische Kino sein kann, ungeachtet seiner Zielrichtung aufs Mainstream-Kino, beweist jetzt "Rang de Basanti - Die Farbe Safran".

Der neue Film des bekannten Regisseurs Rakreysh Omprakash Mehra ist ein anarchistisches Jugenddrama mit vielen spannenden und irritierenden Facetten: Eine junge Londoner Journalistin Sue (Alice Patten) reist nach Neu Delhi, um dort einen Film über die frühe indische Unabhängigkeitsbewegung vor 1947, dem Jahr der endgültigen Selbstständigkeit, zu drehen. Schnell schließt sie Freundschaft mit jungen Indern. Sie bilden eine Außenseiterbande à la Godard, die sich für Politik wenig, für Sex, Drugs und Musik umso mehr interessiert -  ohne zunächst  zu erkennen, wie politisch ihr Freiheitsdrang in Wahrheit ist.

Munteres Jugendporträt wird zur Kampfansage

Die jungen Menschen sind Kinder des modernen Indien, in das die US-amerikanische Konsumkultur längst Einzug gehalten hat. Erst die Begegnung mit dem Fremden politisiert sie und lässt sie ihre eigene Identität wieder deutlicher erkennen. So wandelt sich das muntere Jugendporträt in eine offensive Kampfansage an eine erstarrte Gesellschaft. Dies ist nicht nur für Indien etwas höchst Ungewöhnliches.

"Rang de Basanti - Die Farbe Safran" löst sich von üblichen Konventionen und zeigt ein frisches, überraschendes Indienbild. Der Film ist ein Beispiel dafür, dass Unterhaltung nicht Verrat an aufklärerischen Idealen und ästhetischer Erziehung bedeuten muss. Mit viel Eleganz und inszenatorischer Leidenschaft ist dies ein Werk, das keinen kalt lässt und den Nerv der Gegenwart, auch der europäischen, trifft. (In München: Museumslichtspiele.)

"Rang de Basanti - Die Farbe Safran"

mit Alice Patten, Aamir Khan

Regie: Rakreysh Omprakash Mehra

Hervorragend *****

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