Draußen in der Welt

- Ein Kind und ein Mönch. Das Kind ist ihm anvertraut worden, beide leben in einem kleinen Kloster, das einen buddhistischen Tempel birgt, inmitten eines waldumsäumten Bergsees. Das Kind weicht zunächst nicht von der Seite seines Meisters, und als es das doch tut, macht es bittere Erfahrungen - wie sich später herausstellt, notwendige Schritte im Prozess des Erwachsenwerdens.

<P>Dasein als ruhiger Kreislauf der Selbstvervollkommnung, ein Lernprozess der Gelassenheit: "Frühling, Sommer, Herbst, Winter . . . und Frühling" von Kim Ki-duk, dem international bekanntesten Regisseur Koreas (erst vor ein paar Wochen bei der Berlinale mit einem Silbernen Bären für "Samaria" ausgezeichnet), schildert eine Idylle. Aber nur auf den ersten Blick.</P><P>Momente der Bitterkeit und der Trauer</P><P>Schon der "Frühling", der erste von vier Abschnitten, in die der Film unterteilt ist, zeigt auch Momente der Bitterkeit, der Trauer, die frühe Erfahrung des Abschieds. Im "Sommer" ist der Junge dann 17 Jahre alt. Als eine Mutter mit ihrer ebenso alten Tochter in den Tempel kommt, verliebt sich der Mönch schnell in sie - und weicht ab vom Pfad seiner Verpflichtungen. Später geht er hinaus in die Welt, kommt zurück, belastet von einer Schuld, die man zunächst nicht kennt. Erst gegen Ende seines Lebens wird er eine Art Frieden finden.<BR><BR>Kim Ki-duks Werk ist still und zart. Leise Töne und genaue Beobachtungen dominieren. Ein Kino, das auf den ersten Blick unnahbar scheint, sich aber dem öffnet, der warten kann. Zugleich die Reduktion des Lebens auf Archetypen: die Ordnung der Jahreszeiten, die zugleich die der Natur wie des menschlichen Lebens ist; das Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler, Alt und Jung. Und die Macht der Emotionen gegenüber der vernünftigen Gelassenheit.<BR><BR>Wer Kims "Die Insel" kennt, der ebenfalls in den deutschen Kinos lief, wird sich daran erinnern, dass auch hier das Idyll durch Schuld getrübt wurde, die die Figuren "draußen in der Welt" auf sich geladen hatten. Doch im Gegensatz zu früheren Werken Kims, ist "Frühling, Sommer . . ." in keiner Weise gewalttätig, bleibt weitgehend harmonisch. Nur ein wenig bedient er auch jenes stilisierte Bild, das der Westen von Asien noch immer hat - ein wunderschöner, besinnlicher Film und ein weiteres Beispiel für die künstlerische Kraft des koreanischen Gegenwartskinos. </P><P><BR>"Frühling, Sommer, Herbst, Winter und . . . Frühling"<BR>mit Seo Jae-kyung, Ha Yeo-jin<BR>Regie: Kim Ki-duk<BR>Sehenswert </P><P>(In München: City, Isabella.)<BR></P>

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