Drehbeginn für Cruise-Film über Hitler-Attentat

Löpten/Berlin - Mit Ferngläsern versuchen sie am Himmel oder auf der Rollbahn irgendetwas Spannendes zu erhaschen - am besten Hollywood-Star Tom Cruise (45) in schnittiger Uniform.

Doch weder die zahlreichen Schaulustigen hinter dem Flatterband am Ende des alten Flugplatzes Löpten (Brandenburg) noch die Einwohner des kleinen Ortes bekommen den Schauspieler zu Gesicht. "Er ist am Set", versichert eine Sprecherin der Produktion - gerade ist in Löpten die erste Klappe für den Hollywood-Thriller "Valkyrie" über das Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 gefallen.

Abgeschirmt von Wachleuten, mitten im märkischen Wald schlüpft Cruise dafür in die Rolle des deutschen Widerstandskämpfers Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Das Projekt sorgt bereits seit Wochen weit über Deutschland hinaus für Wirbel. Scientology-Anhänger Cruise "soll die Finger von meinem Vater lassen", ließ der Sohn des Widerstandskämpfers, Berthold Schenk Graf von Stauffenberg, verlauten. Andere Kritiker bezeichneten die Besetzung als "instinktlos" oder "zweifelhaft", wieder andere forderten, der Film müsse verhindert werden, weil Cruise für eine "neue Form eines totalitären System" stehe.

Zufall oder gewollt - der Drehstart für "Valkyrie" fällt nahezu zusammen mit dem 63. Jahrestag des gescheiterten Attentates auf Hitler. An diesem Freitag legen aus diesem Anlass wieder Rekruten der Bundeswehr am Berliner Bendlerblock ihr Gelöbnis ab. Im Innenhof des Bendlerblocks waren Stauffenberg und drei Mitverschwörer nach der gescheiterten "Operation Walküre" - daher auch der Arbeitstitel des Cruise-Films - hingerichtet worden. Vergeblich hatte sich Koproduzent Studio Babelsberg um eine Drehgenehmigung im Bendlerblock bemüht - mit Verweis auf die Würde des Ortes wurde diese verwehrt.

Die Tatsache, dass Cruise Scientologe ist, habe dabei keine Rolle gespielt, hieß es von dem für den historischen Gebäudekomplex zuständigen Bundesfinanzministerium. Alle anderen beantragten Drehgenehmigungen seien aber erteilt worden. Wo nun genau aber die Crew unter der Regie von Bryan Singer ("Die üblichen Verdächtigen", "X-Men") vor der Kamera steht, wird größtenteils ebenso unter Verschluss gehalten wie viele andere Einzelheiten zu der angeblich mindestens 80 Millionen US-Dollar teuren Produktion.

Neben Cruise gehören Kenneth Branagh, Bill Nighy, Tom Wilkinson, Eddie Izzard, Christian Berkel, Thomas Kretschmann und Carice van Houten zur internationalen Besetzung. Doch keiner von ihnen ist auch nur annähernd so gejagt von den Paparazzi wie Super-Star Cruise. Seit Wochen berichten vor allem die Boulevardblätter Berlins, wo er oder seine Ehefrau Katie Holmes gesichtet wurden, meist verschwommene Fotos dienen als Beweis. "Wir hoffen hier alle, einen Blick auf ihn werfen zu können", sagt der Bürgermeister des 350-Seelen Ortsteils Löpten, Friedrich Schönfeld. "Aber das wird wohl nichts." Seine Frau Elfriede ergänzt: "Wir schauen nur noch gen Himmel". Denn über Löpten kreisen historische Flugzeuge wie die Junkers Ju 52 ("Tante Ju") - vielleicht mit Cruise alias Stauffenberg an Bord.

""Valkyrie" erzählt eine Geschichte, die nicht nur extrem spannend, sondern genauso wichtig ist", lässt Regisseur Singer über die Produktion verlauten. Nach den Worten des Vize-Vorstandschefs von Studio Babelsberg, Christoph Fisser, ist das Drehbuch jedenfalls "exakt recherchiert". In etwa einem Jahr können sich Kritiker wie Befürworter davon - oder vom Gegenteil - überzeugen. Dann nämlich soll der Film in die Kinos kommen.

 

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