Drei Helden auf Lügen-Tournee

- Als bekannt wurde, dass Clint Eastwood die Geschichte der berühmten Fotos verfilmen will, in der US-Soldaten auf japanischem Boden ihre Fahne hissen, hatte das amerikanische Publikum wohl mit allem gerechnet, aber nicht mit dem, was ihnen Eastwood dann auf der Leinwand um die Ohren fliegen ließ.

Der Tod kommt hier ohne dramaturgische Vorbereitung, er folgt keinem Muster, und Clint Eastwood zeigt das in "Flags of our Fathers" mit bemerkenswerter Konsequenz und Härte. Sympathieträger werden mitten im Satz erschossen, die Helden sind gar keine, und überhaupt ist alles anders, als man es von den meisten Kriegsfilmen kennt. Das ist das Gute an "Flags of our Fathers".

Eastwood bricht immer radikaler mit Konventionen

Eastwood bricht mit den Konventionen des Genres und verstört damit nachhaltig. Es ist fast so, als ob er mit zunehmendem Alter immer radikaler wird. Verschachtelt und eher assoziativ angelegt, schildert Eastwood, wie die US-Armee unter hohen Verlusten die Insel Iwo Jima erobert und so erstmals japanisches Territorium betritt. Für die Japaner eine Schmach, für die Amerikaner ein wichtiger Sieg, um zu Hause die Kriegsbegeisterung aufrechtzuerhalten.

Dabei hilft entscheidend das legendäre Foto von US-Soldaten, die die amerikanische Fahne auf dem höchsten Punkt der Insel hissen: ein Symbol für den Triumph, das um die Welt geht.

Kühle Demontage des Kriegsmythos

Leider war das alles ganz anders, und "Flags of our Fathers" demontiert kühl diesen Kriegsmythos und entlarvt damit Lügen, die in jedem Krieg auftauchen.

Tragische Helden sind drei Soldaten, die durch die USA fahren und immer wieder erzählen müssen, wie es war, diese Fahne zu hissen ­ auch wenn die ganze Geschichte so nie statt gefunden hat. Während die Amerikaner den vermeintlichen Helden bei skurrilen Kriegsshows zujubeln, verbluten im Pazifik weiterhin amerikanische und japanische Soldaten. "Flags of our Fathers" begleitet das falsche Helden-Trio durch den Krieg und auf der Propaganda-Tournee.

Fortsetzung schon in Arbeit: "Letters from Iwo Jima"

Beruhend auf Tatsachen, wirft der Film schlaglichtartig einen Blick auf ihren Weg durch das Töten, Lügen und Überleben. Ein grandioses und zutiefst pessimistisches Meisterwerk, das bald eine Fortsetzung bekommt. In "Letters from Iwo Jima" wird Eastwood die Ereignisse aus der Sicht der japanischen Soldaten erzählen, die in "Flags of our Fathers" bewusst völlig anonym bleiben.

Ab morgen in München: Mathäser, Münchner Freiheit, Cinema i.O.

"Flags of our Fathers"

mit Ryan Philippe, Jesse Bradford

Regie: Clint Eastwood

Hervorragend *****

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