Duell unter der Sonne

- Mit "Der Flug des Phoenix" hat Robert Aldrich vor 40 Jahren einen Klassiker des Abenteuerfilms gedreht. Nun hat sein Sohn William die Geschichte um ein paar Männer, die mitten in der Wüste aus dem Wrack ihres abgestürzten Flugzeugs ein neues Fluggerät bauen, als Produzent erneut verfilmen lassen. Das Erstaunliche an diesem Remake des ehemaligen Werbefilmers John Moore ist, dass die neue Version genau so auch schon vor 40 Jahren hätte gedreht werden können. Dieser altmodische Ansatz ist die Stärke des Films.

Moore widersteht der Versuchung, mit Actionsequenzen und übertriebenem Einsatz von Tricktechnik Spannung zu simulieren. Stattdessen baut Moore auf die Dynamik, die sich aus der Ausgangssituation ergibt: Verzweifelte Menschen mitten im Nirgendwo sind aufeinander angewiesen. Obwohl allen klar ist, dass ihnen die Zeit davonläuft, weil das Trinkwasser ausgeht, machen sie sich das Leben zur Hölle. Ganz schnell konzentriert sich der Film dabei auf den Konflikt zwischen zwei gegensätzlichen Positionen.Für die eine steht der pragmatische Flugkapitän Frank, den Dennis Quaid glaubwürdig als hemdsärmeliges Sippenoberhaupt darstellt. Er übernimmt die Führung, organisiert, versucht, auf alle Rücksicht zu nehmen, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren. Auf der anderen Seite ist der Ingenieur Elliott - ein Egozentriker, den Giovanni Ribisi lustvoll als leicht überdrehtes Ekel spielt. Beide hassen sich und brauchen sich doch: Nur Frank kann das gebastelte Fluggerät fliegen, und nur Elliott kann es konstruieren."Der Flug des Phoenix" schildert dieses Duell der Lebensentwürfe und spielt durchaus intelligent damit. Wie viel Gemeinsinn braucht der Einzelne, und wie viele Egomanen, seien sie noch so wichtig für die Gruppe, sind tolerabel in Notsituationen? Ein brütend heißes Kammerspiel unter dem weiten Himmel der Wüste Gobi, das einen wirklich mitreißt.

(In München: Mathäser.)

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