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Der bayerische Filmemacher Marcus Rosenmüller.

Rosenmüller über neuen Film

„Da dürfte sich die Kirche freuen“

München - Er gilt seit seinem Hit „Wer früher stirbt ist länger tot“ als Erfinder des neuen deutschen Heimatfilms. Regisseur Marcus H. Rosenmüller sprach mit uns über seinen neuen Film und Dialekt im Kino.

Marcus H. Rosenmüllers neue Komödie „Wer’s glaubt wird selig“, die an diesem Donnerstag startet, spielt wieder im urwüchsigen Freistaat. Im Interview erzählt der 39-Jährige von seinem eigenen Verhältnis zur Kirche und warum er das Etikett „Heimatfilmer“ nicht mag.

Die katholische Kirche ist gerade juristisch gegen das Magazin „Titanic“ vorgegangen. Ihr Film könnte strengen Gläubigen ebenfalls missfallen: Beim Sex der beiden Hauptfiguren wackelt die Wand derart, dass im Nebenzimmer ein Kruzifix herabfällt und die bigotte Schwiegermutter erschlägt. Außerdem taucht der Papst auf. Wie weit darf man gehen, wenn man Witze über Kirche und Religion macht?

Ich habe nie daran gedacht, dass ich jemanden verletzen könnte. Der Film hat ja einen sehr versöhnlichen Aspekt: Der Papst ist meines Erachtens sehr ideal gezeigt, da dürfte sich die Kirche freuen. Ich sehe es auch so, dass man eine menschliche Führungsgestalt da oben braucht. Die Kameraeinstellung, die einen Querschnitt durch das Haus und die nebeneinanderliegenden Zimmer zeigt, ist für mich ein wichtiges Symbol für die Gleichzeitigkeit im Leben.

In Großstädten wie Berlin oder Hamburg spielt der Glaube im täglichen Leben der Menschen meist keine große Rolle. Ist das im katholischen Bayern anders?

In kleineren Orten auf alle Fälle. Dort wird der Katholizismus schon noch mehr gelebt und auch sehr ernst genommen. Die Religion ist eine wichtige Orientierung für die Menschen. Im Christentum geht es um die Art, wie man miteinander umgeht und um die Nächstenliebe – das, was Jesus Christus gelehrt hat. Und damit können schon viele Menschen etwas anfangen, auch wenn sie es nicht so benennen.

Das Thema Katholizismus zieht sich durch viele Ihrer Filme. Sind Sie ein gläubiger Mensch?

Ja, bin ich eigentlich schon. Ich bin immer wieder am Zweifeln und Wanken, habe stärkere Phasen, in denen ich besseren Halt habe und schwächere Phasen, in denen ich schwimme und nach Halt suche. Ich beschäftige mich mit dem Glauben – auch ein bisschen humorvoll und nicht so verbissen. Ich versuche, Vorbilder zu finden, so wie ich gerade von Jesus gesprochen habe.

War der sonntägliche Gottesdienst in Ihrer Kindheit ein fester Termin?

Ja, ich bin schon häufiger in die Kirche gegangen. Als Kind habe ich gemerkt, wie mir das guttut. Ich habe mich dann auch irgendwie frei gefühlt. Es war schon immer ein schönes Gefühl, wenn ich nach dem Gottesdienst heimgeradelt bin. Ich wusste, ich war da jetzt und habe mit Gott gesprochen. Ich wurde aber von meinen Eltern nicht gezwungen, in die Kirche zu gehen, und das Freiwillige war, denk’ ich, wichtig.

Gehen Sie eigentlich heute noch regelmäßig in die Kirche?

Nein, aber jedes Mal, wenn ich dann doch in eine komme, denke ich mir, man könnte ruhig öfters gehen.

Was hat Sie an dem Filmstoff gereizt?

Ein wichtiger Beweggrund war der Spaß, den ich daran hatte. Dramaturgisch ist so eine Wunder-Inszenierung ein gefundenes Fressen.

Dieses Mal ist es rein dialektmäßig kein durchgängig bayerischer Film. Es wird Hamburgisch, Schwäbisch und Österreichisch gesprochen. Ist das Absicht?

Ich habe das Drehbuch gelesen und mir überlegt, wer könnte da passen. Da kamen wir sofort auf Christian Ulmen. Aber wie sollten wir den von Hamburg nach Bayern verfrachten? Aber wie gesagt, wir fanden ihn passend, und dann haben wir angefragt und waren freudig überrascht und glücklich, dass er zugesagt hat. Wie immer bin ich ein Fan von Dialekt, aber es muss nicht immer Bayerisch sein.

Der nächste Film vielleicht auf Hochdeutsch?

Ja, oder auf Englisch. Es geht um den Bremer Fußballer Bert Trautmann, den legendären Torhüter von Manchester City. Seine Lebensgeschichte will ich verfilmen. Frühestens im nächsten Herbst sollen die Dreharbeiten beginnen. Ich bin ein langsamer Drehbuchschreiber.

Es heißt, Sie seien der Erfinder des neuen deutschen Heimatfilms...

Den Begriff haben die Journalisten erfunden. Ich finde nicht, dass alle meine Filme Heimatfilme sind. Andere Regisseure drehen in Berlin und lassen die Figuren berlinern, warum sagt man zu denen nicht, dass sie Heimatfilmer sind? Meine Vorbilder waren österreichische Filme wie „Indien“ oder „Silentium“, auch Helmut Käutner mit „Unter den Brücken“. Aber in meinen Filmen war Heimat eigentlich nie das Thema.

Das Gespräch führte Elke Vogel

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