Echte Kino-Anarchie: Ben Stillers "Tropic Thunder"

Man sollte pünktlich da sein. Denn der Film beginnt mit ein paar herrlich-komischen Fake-"Werbetrailern", durch die er seine Hauptfiguren vorstellt. Diese, für sich genommen, sind bereits den Eintritt wert.

"Tropic Thunder" ist zunächst einmal eine glänzende Hollywood-Parodie. Und nicht nur darum ein mutiger Film. Denn er macht sich über Dinge lustig, die im Prinzip kaum zum Lachen sind: außer über Hollywood und die Verlogenheit der Filmbranche eben auch über Rassismus und Vietnamveteranen, über die Lage burmesischer Kinder und über Drogenmissbrauch. Über Behinderte und Krieg. Vor allem aber über Behinderten- und Kriegsfilme.

Im Zentrum der Handlung steht ein Filmdreh mit einem Starkomiker (Jack Black), der endlich mal "etwas Ernsthaftes" machen will, und ein Actionstar (Ben Stiller) im Karrieretief. Beide wollen in Südostasien einen Vietnamkriegsfilm drehen - den teuersten aller Zeiten. Dazu wird noch der seriöse Charakterdarsteller Kirk Lazarus (Robert Downey Jr.) verpflichtet, der als Weißer einen Schwarzen spielt. Plötzlich aber wird aus dem Hollywoodkriegsspiel Ernst, denn das Team gerät mitten zwischen die Fronten eines Drogenkriegs.

Wie "Tropic Thunder" dieses Szenario entfaltet, ist ungemein respektlos. Es gibt auch Tote hier, trotzdem lacht man, denn der Film spielt mit allen Klischees "ernsthafter" Kriegsfilme. Der Humor von Ben Stiller ("Zoolander"), der nicht nur eine Hauptrolle spielt, sondern nach längerer Pause wieder Regie führt, macht vor gar nichts Halt. Entweder wird man erzürnt sein, ob all der Geschmacklosigkeiten, oder man wird sich auch nach Ende des Films den Bauch vor Lachen halten, überzeugt, eine der besten Komödien der letzten Jahre gesehen zu haben.

In Nebenrollen sind hier unter anderem - endlich mal lustig - Tom Cruise, Tobey Maguire und Matthew McConaughey zu sehen. Und Nick Nolte, der den Vietnam-Veteranen und Kalten Krieger Sgt. Four Leaf Tayback spielt. Den Spaß, den dieser Dreh allen Beteiligten offenbar gemacht hat, merkt man dem Film jederzeit an. In jedem Fall ist "Tropic Thunder" ein erwachsener Film. Der Humor ist nicht so pubertär und fäkallastig, wie es zurzeit in Hollywood Mode ist. Die Witze zum Filmgeschäft sind zahlreich, aber subtil. Sie drehen sich unter anderem um das Genre des Vietnamfilms - gerade kämpft sich Stallone als "Rambo" zum vierten Mal durch den Busch , um Diätwahn und übertriebene Tierliebe.

Nichts, was den Amerikanern und all ihren nibelungentreuen Vasallen heilig ist, bleibt verschont. Vor allem aber nimmt Stiller die Kollegen im Filmgeschäft aufs Korn. Ein politisch unkorrekter, unglaublich komischer Feldversuch. Stiller hat das entscheidende Geheimnis guter Komödien verstanden, das seit Chaplin und Wilder leider etwas in Vergessenheit geriet: Komödie bedeutet Anarchie. Anständige Komödien sind lahme Komödien; die Welt braucht nicht weniger, sondern mehr Unordnung - erst dann ist sie wieder zum Lachen.

"Tropic Thunder"

mit Ben Stiller, Jack Black,

Robert Downey Jr.

Regie: Ben Stiller

Hervorragend

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