Uli Edel kennt angeblich die Schleyer-Mörder

München/Hamburg - Wenige Tage vor der Uraufführung seines Kinofilms "Der Baader Meinhof Komplex" hat der Regisseur Uli Edel behauptet, dass ihm Ex-Terroristen den Namen des Mörders von Arbeitgeber-Präsident Hanns Martin Schleyer verraten hätten.

"Neben Klatsch, wer in der RAF mit wem schlief, oder wie viele Millionen sie wirklich aus den Banken geholt hatten, erfuhr ich auch, wie die Massaker genau abliefen oder was die Staatsanwaltschaft nach 30 Jahren nicht klären konnte, etwa wer Schleyer (1977) wirklich erschossen hatte", sagte Edel dem Münchner Nachrichtenmagazin "Focus" und fügte hinzu: "Da ich es aber nicht beweisen konnte, nur diese Aussagen hatten, konnten wir es nicht verwenden." Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe wollte sich am Samstag auf Nachfrage nicht zu den Aussagen von Edel äußern.

Für die Filmrecherchen hat Edel nach eigenen Angaben mit fünf, sechs früheren RAF-Terroristen gesprochen. Ihnen habe er versprochen, ihre Namen nicht zu nennen. Die befragten RAF-Täter wollten laut Edel alle Geld, bevor sie Auskunft gaben: "Nach Bezahlung einer bestimmten Summe bekam ich bereitwillig Auskunft", so Edel. "Einige boten sich zudem als Berater am Set an", sagte der in Amerika lebende Regisseur dem "Focus". "Als ich das strikt ablehnte, kam es auch zu Drohungen, sie würden dann in den Medien verbreiten, was ich da über sie verfilmt hätte, sei totaler Quatsch. Diese coole Selbsteinschätzung ihrer Macht in den Medien hat mir erst mal die Sprache verschlagen", sagte so Edel.

Die Uraufführung des deutschen Mega-Produktion von Bernd Eichinger findet an diesem Dienstag (16.9.) in München statt, am 25. September kommt der Streifen mit deutscher Starbesetzung wie Moritz Bleibtreu und Martina Gedeck in die Kinos. Nur wenige Journalisten und Eichinger-Vertraute durften den Film schon vorab in kleinen Sondervorführungen sehen. So lobte beispielsweise Frank Schirrmacher in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", der Film sei "sonderbar cool und modern" und habe "womöglich die Kraft, die gesamte RAF-Rezeption auf eine neue Grundlage zu stellen."

Regisseur Edel betonte, das ihm Authentizität wichtig gewesen sei und er keinerlei Nostalgie-Gefühle aufkommen lassen wolle. Ihm sei es auch darum gegangen, die Mythologisierung der RAF zu zerstören. So habe er die Kameras bei dem Schleyer-Attentat bewusst aus der Sicht der Opfer angeordnet. "Ich brachte die Kameras auf die Seite der Opfer, damit wir sehen, was die Opfer sehen."

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" machte den Film, der auf einem Buch des früheren "Spiegel"-Chefredakteurs Stefan Aust beruht, in der vergangenen Woche zum Titelthema. Es sei ein sehr drastischer Film. "Sie werden sehr viel Blut sehen, sehr viel Schmerz in krassen Bildern", hieß es im "Spiegel".

Der Filmregisseur Volker Schlöndorff lehnte in einem am Samstag gesendeten Interview mit dem Deutschlandradio eine solche "große Schießorgie" ab. Er würde in einem RAF-Film die Verzweiflung gescheiterter Idealisten in den Vordergrund stellen. "Das Letzte, was mir einfällt, ist Action". Denkbar sei eher die Verzweiflung der "als Idealisten gestarteten und als Fanatiker völlig in einer Ecke endenden Leute". Er selbst habe den "Baader Meinhof Komplex" aber noch nicht gesehen, sagte Schlöndorff.

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