Eichingers Fest

- "Das ist dramatisch, weil es ein großes Drama war", machte Bernd Eichinger die Sache klar. Bruno Ganz spielt Adolf Hitler, und der Führerbunker ist ein sinkendes Schiff: "Der rote Faden ist, dass der Zuschauer sich wie auf einem Kanu fühlen soll, das auf einem reißenden Fluss auf einen Wasserfall zufährt, und es gibt kein Aussteigen mehr."

So Eichinger, nicht nur Produzent, sondern auch Drehbuchautor von "Der Untergang", seinem neuen Großfilm-Projekt, das von Hitler und dem Ende des "Dritten Reichs" handeln wird: "Das ist wie der Untergang der Titanic."

An die "Faszination der Katastrophe" und James Camerons oscarträchtigen Blockbuster, auch an seinen 20 Jahre alten Welterfolg "Das Boot" fühlte sich der Münchner Produzent erinnert, als er jetzt in München zur Pressekonferenz lud, um seine Pläne für das "große Drama" vorzustellen. Ab August wird in St.Petersburg und München gedreht wird. Im September 2004 soll der Film in die Kinos kommen.

Neben Eichinger saßen Oliver Hirschbiegel, der Regie führen wird und nach "Das Experiment" für klaustrophische Bunkeratmophären prädestiniert zu sein scheint, sowie Hitler-Biograf Joachim C. Fest, auf dessen im Vorjahr bei Rowohlt erschienenes Buch "Der Untergang" der Film zurückgreift.

Die Kombination Fest-Eichinger überrascht nur auf den ersten Blick. In Wahrheit, so Fest, lägen wirklich gute Geschichtsschreibung und gute Literatur nahe beisammen: "Mommsens ,Römische Geschichte' und Tolstois ,Krieg und Frieden' haben eine sehr ähnliche Struktur."

Wird Bernd Eichinger also jetzt zum neuen Tolstoi? Nein, sein "Opus Magnum" werde das nicht, meinte der Produzent auf Nachfrage, aber "das, was ich gerade mache, mache ich so gut wie möglich". Das traumatischste Kapitel deutscher Geschichte, so Eichinger, habe sich "so weit entfernt, dass man wieder die Dinge beim Namen nennen kann".

Welche Dinge genau, verriet er zwar nicht, aber jedenfalls soll "Der Untergang" kein Dokudrama werden, keine Soap, sondern ein "epischer, großer Spielfilm".

Für die menschliche Seite sorgt dabei Hitlers Sekretärin Traudl Junge, auf deren erst kürzlich veröffentlichte Erinnerungen ("Bis zur letzten Stunde", Claassen Verlag) Autor Eichinger gleichfalls zurückgriff. Sie wird einmal mehr von Alexandra Maria Lara gespielt, der derzeitigen Allzweckwaffe für Historienschinken. Neben Lara und Bruno Ganz ("Er ging hinein in die Maske, und heraus kam Hitler", erzählte Hirschbiegel) sind Juliane Köhler als Eva Braun dabei, Corinna Harfouch als Magda Goebbels und Ulrich Noethen als Himmler.

Kann das überhaupt gut gehen? Oder droht eine deutsche Nazi-Soap in comichaft groben Strichen? Jedenfalls ist der Grat zwischen historisch korrektem, aber langweiligem "Schulfunk", den Eichinger gerade vermeiden möchte, und dem geschmacklosen "privaten Blick" auf Völkermörder sehr schmal. Wie soll man etwa Magda Goebbels in der Szene zeigen, in der sie ihre sechs Kinder vergiftet? Als Mutter, die Gefühle hat, oder als eiskalten Todesengel? Beide Vorstellungen würden kaum befriedigen. Regisseur Hirschbiegel hat sein Talent für Horror und Spannung schon unter Beweis gestellt. Ob der Führerbunker wirklich der Ort für einen Psychothriller ist, darf man bezweifeln.

Zumindest in puncto Budget - 13,5 Millionen Euro - wird der Film "an die Grenzen dessen gehen, was derzeit in Deutschland möglich ist" (Eichinger). Hoffentlich nur in dieser Hinsicht.

Interview: Joachim C. Fest über Eichingers Hitler-Film

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