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Im Herzen seiner Stadt: Matthias Kiefersauer am Gärtnerplatz. Als Kolumnist blickt er aus dem Glockenbachviertel auf München.

Interview mit Matthias Kiefersauer: „Ein großartiger Ausgleichssport“

München - Regisseur Matthias Kiefersauer spricht im Merkur-Interview über die Kolumnen, die er für diese Zeitung schreibt, und die „Weltstadt mit Föhn“.

Seit seinem Debüt „Das große Hobeditzn“ (2007) zählt Matthias Kiefersauer zur Gruppe jener bayerischen Regisseure, die dem Heimatfilm neues Leben und neuen Witz eingehaucht haben. Das ist auch bei seiner Fernsehserie „Franzi“ zu sehen, deren vierte Staffel Kiefersauer gerade abgedreht hat und die im Frühjahr 2012 im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt wird. Dass er nicht nur komische Stoffe verfilmen kann, bewies der Regisseur mit dem Drama „Baching“. Seit drei Jahren ist Kiefersauer, der 1973 in Wolfratshausen geboren wurde und heute im Münchner Glockenbachviertel lebt, Kolumnist unserer Zeitung. Seine „Münchner Freiheit“ erscheint jeden Samstag im München-Teil. Eine Auswahl seiner Notizen aus der „Weltstadt mit Föhn“ gibt es jetzt zudem als Buch. „Eine Münchner Pflichtlektüre“, sagt der Autor dazu.

Mit welchen drei Wörtern würden Sie München beschreiben?

Schön, liebenswert, größenwahnsinnig.

Und welche drei Begriffe fallen Ihnen zu Ihren Kolumnen ein, die Sie jeden Samstag für diese Zeitung schreiben?

Arbeit, Spaß, Kontinuität.

Als Regisseur bei einem Filmdreh haben Sie zig Mitarbeiter und Schauspieler, die Sie koordinieren müssen. Ist das Kolumnen-Schreiben dagegen nicht eine sehr einsame Tätigkeit?

Sagen wir so: Es ist ein großartiger Ausgleichssport. Am Drehort starren bis zu fünfzig Leute auf mich und wollen wissen, wie es weitergeht. Wenn man das dann ein paar Wochen macht, dann sehnt man sich schon sehr nach der Einsamkeit des eigenen Büros.

Hat sich durch Ihre Kolumnen Ihr Blick auf die Stadt verändert?

Ganz sicher. Ich kann nicht mehr unbefangen durch die Stadt flanieren. Ich bin immer auf der Suche nach Themen, nicht krampfhaft, aber mit einer gesteigerten Aufmerksamkeit. Und ich bewerte Ereignisse anders: Ich erlebe manchmal Momente, in denen ich mich früher wahnsinnig aufgeregt hätte. Heute freue ich mich fast darüber und denke mir: „Das ist doch ein super Kolumnen-Thema.“

Falls dieser Aufreger jedoch einmal ausbleiben sollte: Macht Ihnen – bevor Sie schreiben – der leere Computerbildschirm manchmal Angst? Sorgen Sie sich, Ihnen könnten eines Tages die Ideen ausgehen?

Ich muss ja immer freitags meinen Text abgeben. Und es kann schon passieren, dass ich am Donnerstagabend etwas nervös werde. Andererseits passiert in dieser Stadt so viel, dass ich letztendlich noch jede Woche ein Thema fand – und das jetzt 150 Mal am Stück. Schwierig wird es lediglich, wenn ich gar nicht in München bin – und trotzdem über München schreiben soll.

Ihr Freund Stefan taucht regelmäßig in Ihren Texten auf – und kommt manchmal gar nicht gut weg. Was sagt er dazu?

Wenn ich über Freunde erzähle, frage ich immer vorher, ob ich das auch darf. Was ich schreibe, ist in der Regel abgesegnet worden.

Hatten Sie schon mal so richtig Ärger, weil sich Menschen in Ihren Texten wiederzuerkennen glaubten?

Ich habe einmal einen bösen, aber auch sehr guten Witz über einen bestimmten bayerischen Regierungsbezirk gerissen. Da ging es darum, dass das Leben dort manchmal vielleicht ein bissl provinziell sein könnte. Das hatte dann schon ein paar Leserbriefe zur Folge, in denen ich als „Isar-Preuße“ beschimpft wurde. Mei, Selbstironie ist nicht jedermanns Paradedisziplin.

Nun haben Sie ausgewählte Kolumnen als Buch herausgebracht: Werden Sie einige Erlebnisse, von denen Sie unseren Lesern berichten, vielleicht auch einmal in einem Ihrer Filme verwenden?

Man kann die Kolumnen sicherlich nicht 1:1 verfilmen. Für einen Film braucht es dann doch mehr Geschichte. Es könnte zwar passieren, dass sich Begebenheiten aus den Kolumnen plötzlich in einem Drehbuch von mir wiederfinden. Das wären dann aber sicher nur kurze Momente im Rahmen einer viel größeren Erzählung.

Das Gespräch führte Michael Schleicher.

Buchvorstellung:

Matthias Kiefersauer präsentiert „Weltstadt mit Föhn“ heute Abend im Münchner „Vereinsheim“ an der Occamstraße 8. Die Lesung beginnt um 19.30 Uhr. Karten für zehn Euro gibt es unter Telefon 089/ 34 49 74.

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