Eine Art Erlösung

- Es beginnt wie eine normale Krimistory. Zwei Polizisten ermitteln in Los Angeles, der eine ist neu und unschuldig, der andere alt und erfahren. Letzterer zeigt dem Neuling und damit auch uns, wie die Dinge laufen in diesem Job. Und je mehr er enthüllt, umso tiefer wird der Abgrund, der sich auftut. Man hört einem Gespräch zwischen Cops zu und braucht einen Augenblick, um zu begreifen, dass es sich um zynische, korrupte, rassistische Kriminelle in Uniform handelt, die kaum weniger schlimm sind als diejenigen, die sie verfolgen.

<P>Familienbeziehungen spielen hier ebenso eine Rolle wie ein Gehorsam, der nicht nach dem Sinn eines Befehls fragt. Irgendwann kommt es so sogar zum Mord an einem unliebsamen Zeugen. Aber es dauert nur ein paar Filmminuten, da wendet sich "Dark Blue" bereits ins Bittere. Die gleichnamige Kurzgeschichte des Krimiautors James Ellroy ("L. A. Confidential") bildet lediglich den Hintergrund des Films, Drehbuchautor David Ayer hat sie in den April 1992 verlegt: Nach dem Skandalfreispruch für jene Polizisten, die den Schwarzen Rodney King misshandelt hatten, brachen seinerzeit in Los Angeles Krawalle aus.</P><P>Bereits die Anfangssequenz zeigt Dokumentaraufnahmen dieses Ereignisses. "Dark Blue" erzählt also von den psychologischen Rahmenbedingungen der Geschehnisse, lässt sie als logische Konsequenz einer Vorgeschichte erscheinen. Trotzdem ist "Dark Blue" ein geradlinig erzählter Polizeifilm. Regisseur Ron Shelton inszeniert ihn effektiv und atmosphärisch dicht, mit Anklängen an die Illusionslosigkeit und Melancholie des Film Noir. Er verschweigt kein Leiden und keine Gewalt, ohne sich in ihr zu suhlen. So gelingt ihm die Verwandlung der etwas schlichten B-Movie-Konstruktion in einen subtilen Film.</P><P>Erstklassig ist der Auftritt von Kurt Russell. Er spielt Perry, den älteren der beiden Hauptfiguren. Auch dieser harte Trinker, der sich ins Netz seiner Verbrechen verstrickt hat, sich selbst nicht mehr erträgt und nicht die Kraft hat auszusteigen, wird in keiner Weise verharmlost - und darf doch immer seine Würde behalten. Am Ende ist er es, der eine Art Erlösung finden wird. </P><P>(In München: Marmorhaus, Mathäser.)</P><P>"Dark Blue"<BR>mit Kurt Russell, Scott Speedman<BR>Regie: Ron Shelton<BR>Hervorragend </P><P> </P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Neuer „Harry Potter“-Film kommt - mit einem kleinen Haken
Den von J. K. Rowling erfundenen Zauberlehrling Harry Potter aus Hogwarts kennt jeder. Doch die Produzenten eines anderen Films werfen der Schriftstellerin vor, die Idee …
Neuer „Harry Potter“-Film kommt - mit einem kleinen Haken
Er war der coolste James Bond: Nachruf auf Roger Moore
Trauer um Roger Moore: Der James-Bond-Darsteller ist mit 89 Jahren an Krebs gestorben. Hier lesen sie einen Nachruf auf Roger Moore. 
Er war der coolste James Bond: Nachruf auf Roger Moore
„Pirates of the Caribbean 5“: Routine statt Spannung
Johnny Depp torkelt über die Schiffsplanken, Javier Bardem zeigt Vampirzähnchen - und ein junges Liebespaar gibt es auch. Disneys unverwüstliche Piratensaga geht mit …
„Pirates of the Caribbean 5“: Routine statt Spannung

Kommentare