Eine Familientragödie, ohne Kitsch erzählt

- Klar, dass die Terroranschläge vom 11. September 2001 filmisch verarbeitet werden. Einige Produktionen gibt es bereits ­ die meisten beschäftigen sich direkt mit dem schrecklichen Geschehen. Über das, was danach kommt, breitet sich gnädig der Abspann. Denn die Trauer der Angehörigen in angemessene Dialoge und Bilder zu fassen, ist nicht leicht.

Mike Binder, der schon in "An deiner Seite" die dunklen Farben einer Beziehung sehr stimmig einfangen konnte, hat sich in "Die Liebe in mir" jetzt an das Thema gewagt. Sein sanft melancholisches Porträt einer Männerfreundschaft erinnert in der ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Tod eines Familienmitglieds an Nanni Morettis großartigen Film "Das Zimmer meines Sohnes".

Vielleicht können nur Komiker wie Moretti oder in Binders Film nun Adam Sandler Schmerz und Verlust so eindringlich und gleichzeitig so selbstverständlich, lebensnah und unaufdringlich spielen.

Die eigentliche Hauptrolle in Binders Arbeit hat Don Cheadle. Sein Alan Johnson ist ein gut situierter Zahnarzt in Manhattan, der von seiner klettigen Gattin arg kontrolliert wird, ansonsten aber ganz akzeptabel lebt. Eines Tages begegnet er Charlie Fineman wieder, seinem Zimmernachbarn aus Uni-Tagen. Der gibt sich wortkarg und mürrisch und zeigt deutlich sein Desinteresse am einstigen Freund. Alan lässt nicht locker und erfährt Charlies Tragödie, dessen Frau und drei Töchter in einem der Flugzeuge saßen, die ins World Trade Center rasten.

Binder umgeht bewusst Kitsch und zuckersüße Rührung, die ein solches Drama provozieren kann. "Die Liebe in mir" ist ein Film über zwei maulfaule Kerle, die auch über Gefühle kaum reden. Lieber debattieren sie über Musik und zocken an der Videokonsole. Ihre Beziehung hat etwas rührend Naives, Vorpubertäres. Zugleich verleiht der Kunstgriff der Regie, sich kammerspielartig auf die Männer zu konzentrieren, dem Film eine über die Terroranschläge hinausgehende Aussage. Die Gesten und Blicke sind es, die wirklich zählen. Binder verlässt sich zu Recht ganz auf die Strahlkraft von Cheadle und Sandler, die man derart präzise und zurückgenommen selten gesehen hat. (In München: Mathäser, Münchner Freiheit.)

"Die Liebe in mir"

mit Adam Sandler, Don Cheadle Regie: Mike Binder

Sehenswert

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