Eine Frage der Identität

- "Operation Moses" hieß die Aktion, mit der Israel in den 80er-Jahren die Juden Äthiopiens vor den Attacken ihrer Feinde und ständiger Hungersnot rettete und ins gelobte Land holte. Diese historischen Ereignisse bilden den Hintergrund für den bewegenden Film des Regisseurs Radu Mihaileanu.

1999 wurde "Zug des Lebens" international gefeiert - ein gefühlvolles, dezentes Gegenstück zu Roberto Benignis KZ-Klamotte "Das Leben ist schön". Diesmal erzählt der Filmemacher von einem neunjährigen Christen, der in den Wirren der "Operation Moses" irrtümlich nach Israel kommt, und dort - um nicht ins Elend zurück zu müssen - als "Schlomo" eine jüdische Identität annimmt. Wie er eigentlich heißt, bleibt bis zuletzt ungesagt.

Mihaileanu weiß, was ein Flüchtlingsschicksal ist. 1958 in Rumänien geboren, lebt er seit 1980 in Frankreich. Früh begegnet sein Schlomo dem Rassismus, der auch in Israel Menschen mit dunkler Hautfarbe - ob Juden oder nicht - trifft. Die "Falasha" genannten, afrikanischen Juden sind bis heute nicht voll integriert. "Geh und lebe" ist ein dummer deutscher Titel für den Film, der im Original übersetzt "Geh! Lebe! Werde!" heißt nach den letzten Worten von Schlomos leiblicher Mutter. Das Werden, die Frage, wie es sich über das bloße Überleben hinaus frei und seiner selbst gewiss leben lässt, ist nämlich die Hauptsache dieses Films.

Mihaileanu untersucht sensibel das Problem, was es in einer Welt zwischen Aus- und Einwanderung bedeutet, irgendwohin zu gehören. Ständig wird Schlomos Identität in Frage gestellt: von Einwanderungsbeamten, der Stiefmutter, den säkularisierten Adoptiveltern, von sich selbst. Mitunter wird es kitschig, die meisten Passagen sind jedoch unsentimental, aber immer mit moralischem Pathos. "Geh und lebe" erzählt von unbekannten Seiten Israels - jenseits des Nahost-Konflikts, geprägt vom humanitären Idealismus der Gründerväter. Später sieht man, was aus Schlomo geworden ist: Er arbeitet im Kibbuz, lernt die Liebe kennen, erlebt den Zweiten Golfkrieg, die Intifada und studiert in Paris. (Ab morgen in München: Atelier, Theatiner i.O.)

"Geh und lebe"mit Yaël Abecassis, Mosche Abebe

Regie: Radu Mihaileanu

Sehenswert

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