Eine Art Geheimbund

- "Alles ist gut, so lange Du wild bist": Das ist das Motto einer Fußballmannschaft namens "Die wilden Kerle". Regisseur und Autor Joachim Masannek hat in seinem ersten Kino-Werk das Leben seiner eigenen Söhne Leon und Marlon und deren Kicker-Truppe verfilmt.

<P>Der Film beruht auf Ihren Kinderbüchern "Die wilden Fußballkerle". Wann kamen Sie auf die Idee, aus dem Leben Ihrer Söhne zu erzählen?<BR>Masannek: Das fing mit der ganzen Aufregung an, die sich um den Eintritt von Marlon und Leon in die F-Jugend rankte. Da gab es einen Trainer, der die Kleinen angebrüllt hat, wenn sie ein Spiel verloren hatten. Da dachte ich mir: Dann trainiere ich sie eben selbst. Schließlich habe ich früher auch Fußball gespielt, und mein Beruf als Autor lässt es glücklicherweise zu, dass ich mir die Nachmittage freier einteilen kann als andere Väter.</P><P>Der Film beruht also auf wahren Begebenheiten?<BR>Masannek: Naja, nicht ausschließlich. Ich habe beim Training schnell festgestellt, dass die Jungs eigentlich alle beim FC Bayern spielen wollten, keiner war gern Mitglied im TSV Grünwald, unserem Ortsverein. Also mussten irgendein Name, ein Trikot und ein Wappen her, das die Kleinen zu einem ganz besonderen Verein machte, einer Art Geheimbund.</P><P>Warum ist Fußball für Buben in diesem Alter so besonders wichtig?<BR>Masannek: Ich denke, weil sie auf dem Fußballplatz erwachsen sein dürfen. Zu einer Zeit, in der sie noch lange vom Erwachsensein entfernt sind. Die Regeln auf dem Feld sind wie bei den Großen, ganz wichtig ist auch: Die Eltern, vor allem auch Mädchen müssen draußen bleiben. Als ich das verstanden hatte, dachte ich, es wäre schön, über die Erlebnisse "meines" Teams ein Buch zu schreiben. Mittlerweile sind ja einige Bände daraus geworden . . . Außerdem gab es zu wenig Literatur für Jungen.</P><P>Was ist mit Karl May oder dem "Lederstrumpf"?<BR>Masannek: Das waren in meiner Jugend spannende Bücher. Aber diese Western, überhaupt die ganze klassiche Jungsliteratur verstehen meine Kinder gar nicht mehr. Als ich einmal Tom Saywer vorgelesen hatte, kapierten sie nicht, was daran eigentlich spannend sein sollte. Vermutlich hätte ich es auch nicht sehr aufregend gefunden, wenn meine Mutter mir ein Kinderbuch aus Goethes Zeit vorgelesen hätte damals.</P><P>Das Gespräch führte Ulrike Frick</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Trailer zu „Why him?“: Nicht gesellschaftsfähig
München - John Hamburgs „Why him?“ variiert fantasielos das Duell Schwiegervater-Schwiegersohn.
Trailer zu „Why him?“: Nicht gesellschaftsfähig
„Hell or High Water“: Kein Land für arme Schlucker
München - „Hell or High Water“ ist ein höllisch unterhaltsames Katz-und-Maus-Spiel im modernen Wilden Westen.
„Hell or High Water“: Kein Land für arme Schlucker
„Bob, der Streuner“: Der Junkie hat einen Kater
München - Roger Spottiswoode verfilmte den Bestseller „Bob, der Streuner“ angenehm kitschfrei.
„Bob, der Streuner“: Der Junkie hat einen Kater
Kritik zum Kinofilm „La La Land“: Hinreißende Liebeserklärung
München - „La La Land“ ist eine gesungene und getanzte Liebeserklärung an das Leben, die Leidenschaft und Los Angeles.
Kritik zum Kinofilm „La La Land“: Hinreißende Liebeserklärung

Kommentare