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Um den Goldenen Löwen ringt auch George Clooneys „The Ides Of March“, Eröffnungsfilm des Festivals.

Eine Konkurrenz für Cannes?

Venedig - Von Mittwoch es am Lido wieder um den Goldenen Löwen. Natürlich wird auch heuer ein Aufmarsch von Stars aus Hollywood erwartet. Laufen die Filmfestspiele in Venedig allmählich Cannes den Rang ab?

Das Filmfestival Venedig ist das älteste im Reigen der drei großen europäischen Festivals, und der Lido kommt – nach Berlin und Cannes – als Letzter vor dem Rennen um die Golden Globes und den begehrten Oscar an die Reihe. Immer wieder mal ist von einer Konkurrenz Venedigs vor allem mit dem glamourösen und führenden Filmfestival von Cannes an der Côte d’Azur die Rede – zumal dann, wenn Filme bis zum Festival auf der Croisette noch nicht fertig waren und dann also das Programm des künstlerischen Direktors Marco Müller am Lido zieren konnten. Nachteil für das Kinofest der Lagunenstadt, das heute beginnt: Der legendäre Lido ist doch ein Stück weit heruntergekommen, und das Festival seit Jahren eine Baustelle. Dennoch macht den Auftakt zur Starparade von Venedig Hollywoodstar George Clooney, nahezu ein Dauergast am Strand der Serenissima, mit seinem mit Spannung erwarteten „The Ides Of March“ (die Iden des März), der das Festival eröffnet.

Die große Oscar-Nacht in Hollywood

Die große Oscar-Nacht in Hollywood

Was Venedig erheblich von Cannes – und auch von der Berlinale im Februar – unterscheidet: Hier geht es allein um Filmkunst, es gibt nicht den großen Filmmarkt, der gerade an der Azur-Küste viel Kommerz bedeutet. „Venedig wie Hollywood“, jubelte die römische „La Repubblica“ über das – traditionell allerdings auch stark auf das asiatische Kino ausgerichtete – Festival. Gemeint ist damit nicht nur, dass mit fünf Produktionen das US-Kino im Wettbewerb massiv vertreten ist – außer Clooney stellt etwa Regie-Legende William Friedkin („French Connection“, „Der Exorzist“) seinen neuen Film „Killer Joe“ vor.

Auch auf dem roten Teppich dominieren Hollywood-Stars, darunter Kate Winslet, Jodie Foster, Gwyneth Paltrow, Keira Knightley oder Madonna. Die Filme im 68. Wettbewerb um den begehrten Goldenen Löwen sind gespickt mit großen Namen.

Kann also Venedig doch zur echten Konkurrenz für Cannes werden? Von einer Kulisse mit dem blauen Mittelmeer als Hintergrund können beide Festivals profitieren. Und beide haben eine große Zeit – in den Fünfziger- und Sechzigerjahren – hinter sich. Im Übrigen versteht Venedigs Marco Müller seine Filmauswahl immer auch als eine Art Vitrine mit einem möglichst breiten internationalen Spektrum. Wenngleich die Sieger in der jüngsten Zeit fast überwiegend US-Filme waren – von Darren Arononfsky („Der Wrestler“, 2008) über Sofia Coppola („Somewhere“, 2010) bis hin zu Ang Lee, der sich 2005 mit dem Western-Melodram „Brokeback Mountain“ am Lido durchsetzte. Auch Jury-Präsidenten wie Quentin Tarantino 2010 und Arononfsky in diesem Jahr setzen oft einen amerikanischen Akzent. Dass ein Michael Moore sich mit einer Polit-Polemik (Goldene Palme für „Fahrenheit 9/11“) gegen den damaligen US-Präsidenten George W. Bush wie in Cannes auch in Venedig hätte durchsetzen können, ist aber dennoch recht unwahrscheinlich.

Das traditionsreiche alte Festival von Venedig, mit Unterbrechungen seit dem Jahr 1932 ein Treffen der Filmwelt, setzt da doch gern andere, auch nicht immer unumstrittene Schwerpunkte.

Von Hanns-Jochen Kaffsack

Wettbewerbsfilme

Im Wettbewerb der 68. Filmfestspiele von Venedig konkurrieren in diesem Jahr folgende 23 Filme um den Goldenen

Löwen:

„The Ides Of March“

von George Clooney

(Eröffnungsfilm)

„Tinker, Taylor, Soldier, Spy“ von Tomas Alfredson

„Wuthering Heights“

von Andrea Arnold

„Texas Killing Fields“

von Ami Canaan Mann

„Quando la notte“

von Cristina Comencini

„Terraferma“

von Emanuele Crialese

„A Dangerous Method“

von David Cronenberg

„4:44 Last Day On Earth“

von Abel Ferrara

„Killer Joe“

von William Friedkin

„Un été brulant“

von Philippe Garrel

„Taojie“

von Ann Hui

„Hahithalfut“

von Eran Kolirin

„Alpis“

von Yorgos Lanthimos

„Shame“

von Steve McQueen

„L’ultimo terrestre“

von Gian Alfonso Pacinotti

„Carnage“

von Roman Polanski

„Poulet aux prunes“

von Marjane Satrapi und

Vincent Paronnaud

„Faust“

von Aleksander Sokurov

„Dark Horse“

von Todd Solondz

„Himizu“

von Sion Sono

„Duo Mingjin“

von Johnnie

„Saideke Balai“

von Wei Te-Sheng

Überraschungsfilm

aus China/ Taiwan

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