Eine rasende Mutter

- Eigentlich ist es ein gewöhnlicher Flugzeug-Thriller, aber dem deutschen Regisseur Robert Schwentke gelang es, mit seiner ersten Hollywood-Produktion "Flightplan" sofort für großes Aufsehen zu sorgen. Das liegt zum einen daran, dass Filme über und in Flugzeugen seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 tabu waren. Aber vor allem ist es der Hauptdarstellerin Jodie Foster zu verdanken. Die zweifache Mutter hat sich in den letzten Jahren extrem rar gemacht. Nachdem sie 1998 ihr erstes Kind zur Welt gebracht hatte, erklärte sie sich zur hauptberuflichen Mutter. So ist jeder ihrer Auftritte ein Ereignis. Bei "Flightplan" ist das nun ihre dritte Hauptrolle, und es ist der einzige triftige Grund, sich diesen Film anzusehen.

Was Foster zeigt, ist sensationell. Die Inszenierung konzentriert sich völlig auf sie. Das ist das Beste, was Schwentke tun konnte. Die Geschichte selbst verliert nämlich nach einem fulminanten Start bald an Schwung und fesselt immer weniger: für einen Thriller fatal. Die in Berlin lebende amerikanische Flugzeug-Ingenieurin Kyle (Jodie Foster) fliegt nach dem Tod ihres Mannes mit ihrer Tochter Julia (Marlene Lawston) zurück in die USA. Als sie kurz einschläft, verschwindet ihre Tochter spurlos. Niemand weiß, wo das Mädchen ist. Nachdem das Kind vorher keinem aufgefallen sein will, kommt der Crew bald der Verdacht, dass diese Frau, die wie eine Rasende das komplette Flugzeug nach ihrer Tochter absucht, in Wahrheit eine psychisch Kranke sein könnte. Als sich die Hinweise mehren, dass die Tochter nie an Bord war, wird Kyle zum Problem, denn sie denkt nicht daran, still zu sitzen.

Weil Kyle an der Konstruktion des Flugzeugs beteiligt war, gelingt es ihr immer wieder, zu entwischen und auf eigene Faust weiter zu suchen. Sie kennt jeden Winkel und will so ausdauernd nachforschen, wie es nötig ist. Solange die Möglichkeit im Raum steht, dass hier eine seelisch labile, trauernde Frau den Bezug zur Wirklichkeit verliert und zu einer Bedrohung werden könnte, ist "Flightplan" exzellent, zumal Schwentke ein Talent dafür hat, die klaustrophobische Atmosphäre des Flugzeugs und die wachsende Anspannung unter den Passagieren visuell eindrucksvoll zu vermitteln. Auch die politische Anspielung, als die völlig überdrehte Kyle einige Araber im Flugzeug für das Verschwinden ihrer Tochter verantwortlich macht und damit aus dem Stegreif einen kleinen Bürgerkrieg herauf beschwört, wirkt in diesem Kontext noch überzeugend.

Aber sobald klar ist, dass die Tochter tatsächlich entführt und Kyle Opfer einer Erpressung ist, ist die Luft raus. Es geht fürderhin alles seinen geregelten Krimi-Gang, und die psychologische Vielschichtigkeit ist dahin. Was bleibt, ist eine atemberaubende Vorstellung von Jodie Foster, der man die rücksichtslose Furie am Rande des Wahnsinns in jeder Situation abnimmt und die den Mut hat, ihrer Figur auch unangenehme Züge zu verleihen, um glaubwürdig zu bleiben. Es scheint - und das ist das Erstaunliche -, dass die langen Pausen zwischen den Filmen Foster kein bisschen verunsichert haben. Sie spielt konzentriert, eindringlich und nuanciert, wie sie es immer getan hat. Ein Ereignis. (In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Royal, Münchner Freiheit, Cadillac, Autokino, Cinema i.O.)

"Flightplan"

mit Jodie Foster

Regie: Robert Schwentke

Annehmbar

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