Eine reine Augenweide

- Kleine Tierchen mit großen Kulleraugen - das ist es, was man mit Zeichentrickfilmen assoziiert. Walt Disneys Bambis haben mit ihrer kalkulierten Niedlichkeit Maßstäbe gesetzt und das Genre des Cartoons "verdorben" zum Amüsement für Kinder. Japanische Mangas, die eine andere, scharfkantige Ästhetik propagieren, sind dagegen bislang nicht allgemein tauglich und eher einem kleinen Kreis bekannt.

<P>Nun gibt es einen Animationsfilm, der den Spagat zwischen Familienspaß und anspruchsvoller Unterhaltung spielend bewältigt - und nebenbei noch eine reine Augenweide ist. "Das große Rennen von Belleville" heißt der inzwischen preisgekrönte Zeichentrickfilm aus kanadisch-belgisch-französischer Coproduktion. Der hinreißend fantasievoll animierte, mit modernster 3D-Technik unterstützte Film ist das abendfüllende Debüt von Sylvain Chomet, der bisher vorwiegend Drehbücher und Comics verfasste. In einer nostalgischen Melange, in warmen Sepia-Tönen gehalten und mit dicken schwarzen Konturen versehen, erzählt Chomet die Geschichte des kleinen Champion, der in den Vierzigerjahren bei seiner Großmutter in einem Pariser Vorort aufwächst. Der Kleine hat nur einen Wunsch: Rad fahren und an der Tour de France teilnehmen. Doch bevor Champion Champion werden kann, wird er von drei Mafiosi entführt. Aber Oma, ihr dicker Köter Bruno und ihre drei skurrilen Freundinnen sind den bösen Kidnappern bereits auf der Spur.<BR><BR>Chomet illustriert in seinem absurd komischen Animationsfilm mit einer großen Liebe zur Pointe, schlägt auch nachdenkliche Töne an. So sind nicht nur die Klischees vom Frösche mampfenden Franzosen oder dem verfetteten Amerikaner ein ergiebiges Thema für seine spitzen Attacken. Auch die Verwahrlosung und Zubetonierung der Vorstädte verarbeitet Chomet mit sanft-liebevoller Ironie. </P><P>(In München: Leopold, Atelier, Theatiner i. O.) <BR><BR>"Das große Rennen von Belleville"<BR>Regie: Sylvain Chomet<BR>Hervorragend </P>

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