Eine unchristliche Orgie der Gewalt

- Die Geschichte bewegt seit zweitausend Jahren die Seelen der Menschen. Die Passion Christi. Die letzte Nacht und der letzte Tag im Leben Jesu. Die Essenz des größten Bestsellers und der wirkungsmächtigsten Schrift. Die Bibel. Zwei Milliarden Menschen in aller Welt bekennen sich zu Jesus. Seiner unbedingten Liebe. Auch Hollywoodstar Mel Gibson hat schließlich zum Christentum gefunden. Was lag näher, als einen Film über seinen neuen Heros zu drehen - "Die Passion Christi".

<P>Glauben und Kunst sind zwei Paar Stiefel. Das Bedürfnis, die Botschaft Jesu unter die Menschen zu bringen, ist so überwältigend, dass Gibson ihm alles unterordnet. Die Darsteller werden zu Statisten degradiert, die aramäische und lateinische Bibelzitate deklamieren und murmeln. Sie könnten ebenso gut schweigen, denn die donnernde Sphärenmusik übertönt alles. Zeitlupenstürze lassen die Schauspieler kunterbunt über die Leinwand purzeln. Um Dramaturgie und Spannung schert sich Gibson nicht. Er hat ja seine Story. Und deren Botschaft! Diese lautet: Jesus Christus läutert die Menschheit, indem er all ihre Sünden auf sich nimmt und für sie büßt. In einer absoluten Leidensgeschichte.<BR><BR>Diese Passion wird jedoch durch die Einfallslosigkeit des Regisseurs und sein zwanghaftes Bedürfnis, ununterbrochen und unter jedem Vorwand Gewalt in ihren perversesten Formen abzubilden, in den Schatten gestellt.<BR><BR>"Gibson propagiert keine Judenfeindlichkeit.Er enthüllt vielmehr seine erschreckende Unmenschlichkeit."<BR>Rafael Seligmann</P><P>Ständig wird gepeitscht, geschlagen, gegeißelt, Blut in Strömen vergossen und Fleisch aus dem Körper gerissen. Maskenbildner mussten Jesus-Darsteller Jim Caviezel täglich mehrere Stunden zum wundenübersäten, blutdurchtränkten Korpus präparieren, an dem die römischen Legionäre ihren Sadismus auszutoben hatten. Unter ihren Schlägen geht die wahre Botschaft Jesu verloren: die überwältigende Macht der Liebe. Nicht nur zum ohnehin geliebten Nächsten, sondern auch zum Feind. Und das Gebot der Gewaltlosigkeit: "Wenn jemand dir einen Streich gibt auf deine rechte Backe, so biete ihm auch die andere dar." Die Bergpredigt aber geht als Sekundenclip unter. Sie ertrinkt in einem Meer von Blut und Gewalt. Die Dauerprügelorgie stumpft den Zuschauer rasch ab. Das Mitleiden wird von Grauen überlagert.<BR><BR>Mel Gibson wurde vorgeworfen, einen antisemitischen Film gedreht zu haben. Seine Juden geifern vor Rachsucht. Die Römer huldigen Dummheit, Dumpfheit und zelebrieren stellvertretend für ihren Regisseur eine permanente Orgie der Gewalt. Gibson propagiert keine Judenfeindschaft. Er enthüllt vielmehr seine erschreckende Unmenschlichkeit. Diesen Mist sollte man sich sparen!<BR><BR>Mel Gibsons Film "Die Passion Christi" mit Jim Caviezel (unser Bild) hat an seinem Starttag am Aschermittwoch an den nordamerikanischen Kinokassen mehr als 23 Millionen Dollar eingespielt. Zusätzlich, so die Verleihfirma, sind bei privaten Filmvorführungen für Kirchengruppen weitere drei Millionen Dollar verdient worden. Gibson hatte die rund 25 Millionen Dollar teure Produktion des Films aus eigener Tasche finanziert. Newmarket Films hatte vor dem Kinostart mit Premiereneinnahmen von 15 bis 20 Millionen Dollar gerechnet. Den Kassenrekord für einen Mittwoch-Filmstart hält mit 34 Millionen Dollar "Der Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs". In Deutschland startet"Die Passion Christi" an Gründonnerstag, 8. April.</P>

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