Eine Welt der Klischees

- Das Leben ist hart für Theo. Beim Betteln wird der Obdachlose beschimpft, keiner hilft ihm, als er besoffen auf der Straße liegt, und schließlich fährt ihm ein Bonzenwagen einfach über den Fuß. Hinkend schleppt er sich nach Hause, unter die Wittelsbacherbrücke in München, wo Theo mit drei anderen Pennern wohnt. Sie sind "Die Wittelsbacher" im gleichnamigen Film von Stephan Hartwig und Bohdan Graczyk.

<P>Kein Dokumentarfilm, und wenn das gelegentlich vermutet wird, heißt das nur, dass den Film eine Aura der Authentizität umgibt. Kein Wunder: Zusammen mit realen Obdachlosen haben die Filmemacher während ihrer Recherche unter der Brücke gelebt. Dieses Leben haben sie ehrlich und glaubhaft in den Film übertragen. Gedreht wurde an Originalschauplätzen in München und Umgebung. Der Blick unter die Brücke ist aufregend. Er taucht ein in ein unbekanntes, ignoriertes Milieu und normalisiert es. Wie in einer Wohngemeinschaft haben sich die Obdachlosen eingerichtet, mit ausgemusterten Möbeln. Zusammen sitzen sie ums Lagerfeuer, teilen Schnaps und Wein, kriegen sich in die Haare, raufen sich wieder zusammen. <BR><BR>Natürlich ist das Leben unter der Brücke dennoch nicht der Normalfall, und so taucht die Frage auf, wie es dazu kommen konnte. Auch die Filmemacher haben sich das wohl gefragt und eine Geschichte erfunden, die dem Milieubild abträglich ist, es gar sabotiert. Theo (Wilfried Labmeier) steht im Mittelpunkt dieses aufgepfropften Märchens um Kinderpornografie, den plakativen Gegensatz zwischen Arm und Reich und die Verarbeitung der eigenen Vergangenheit. Die eigentlich authentischen Penner bewegen sich in einer Welt der Klischees. Und Theo gerät sogar in einen sonnendurchfluteten Postkartentraum von München, in dem seine Bierflasche scheinbar nicht mehr der Sucht dient, sondern nur dem Durst an einem sommerlichen Biergartentag. </P><P>(In München: Rio).<BR><BR>"Die Wittelsbacher"<BR>mit Wilfried Labmeier, Laura Juds<BR>Regie: Stephan Hartwig, Bohdan Graczyk<BR>Annehmbar </P>

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