Wie eine Zeitreise: Der Dreh zum Baader-Meinhof-Film in Berlin

Berlin - Vor der Deutschen Oper in Berlin wehen die grün- weiß-roten Landesfarben des Iran, Wasserwerfer und Krankenwagen stehen bereit. Polizeiketten und Reiterstaffeln sichern angesichts wütender und tobender Demonstranten die Anfahrt des hohen Staatsgastes, des Schahs von Persien.

Viele Berliner reiben sich die Augen angesichts der gespenstischen Szenerie in der Charlottenburger Bismarckstraße in diesen Augusttagen 2007. Es sind die Dreharbeiten zu der neuen Bernd-Eichinger-Produktion "Der Baader Meinhof Komplex" nach dem Buch von Stefan Aust, die bis Sonntag vor dem Opernhaus für weiträumige Absperrungen sorgten. Gedreht wird noch an anderen Orten bis Ende November in Berlin, München und Marokko.

Für viele ältere Berliner werden bei den Filmaufnahmen mit einem Riesenaufgebot an Komparsen - die Polizeibeamten in blauen Uniformen und weißen Tellermützen noch mit Schlips und Kragen - Erinnerungen wach. Es ist der 2. Juni 1967, als der Schah von Persien Berlin besucht. In der Deutschen Oper soll für das Kaiserpaar eine Galaaufführung gegeben werden. Es ist das Haus, in dem im Jahr 2006 Mozarts "Idomeneo" in der Inszenierung von Hans Neuenfels mit dem enthaupteten Propheten Mohammed in der Schlussszene aus Sicherheitsgründen vom Spielplan abgesetzt wird und erst Monate später unter Polizeischutz wieder gezeigt werden kann.

1967 gibt es für den Schah von Persien Mozarts Versöhnungsoper "Zauberflöte", aber vor dem Opernhaus tobt der Straßenkampf zwischen Demonstranten und Polizei, dem schließlich der Student Benno Ohnesorg zum Opfer fallen sollte. Er wird von einem Polizeibeamten erschossen. Später wurde für Ohnesorg vor dem Opernhaus ein Denkmal des österreichischen Bildhauers Alfred Hrdlicka errichtet, das bei den Filmdreharbeiten jetzt mit schwarzem Tuch verhüllt ist und von einem Aufnahme-Lkw des damaligen Senders Freies Berlin (SFB) verdeckt wird.

In der Inschrift der Skulptur, die einen Demonstranten zeigt, der von Polizisten niedergeknüppelt wird, heißt es über das 26-jährige Opfer: "Sein Tod war ein Signal für die beginnende studentische und außerparlamentarische Bewegung." Ein Funke sprang auf das ganze Land über, die Studentenrevolte verließ den Universitätscampus.

Ein Teil dieser Bewegung entschied sich für den terroristischen Irrweg, der seither mit den Namen Baader-Meinhof und "Rote Armee Fraktion" (RAF) verbunden ist und der die Bundesrepublik bis zum "Deutschen Herbst" 1977 in Atem halten sollte, als die führende Gruppe im Stuttgarter Gefängnis Stammheim schließlich Selbstmord beging. Andreas Baader und Ulrike Meinhof, im Film von Moritz Bleibtreu und Martina Gedeck dargestellt, gehörten zu den führenden Köpfen der RAF.

Ihre "terrorristische Karriere" begann bald nach den Ereignissen vom 2. Juni 1967. Zur Strafverbüßung nach einer Kaufhausbrandstiftung in Frankfurt gesucht, wurde der 27-jährige Baader im April 1970 bei einer Verkehrskontrolle in Berlin gefasst, aber schon einen Monat später bei einer Ausführung aus der Haft in ein Institut der Freien Universität Berlin (FU) von Komplizen "freigeschossen".

Es begann der "Baader Meinhof Komplex". Der gleichnamige Film von Uli Edel (""Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo") soll im Herbst 2008 in die Kinos kommen. Zu den weiteren Darstellern gehören Bruno Ganz, Alexandra Maria Lara, Nadja Uhl, Heino Ferch, Johanna Wokalek, Michael Gwisdek und Jan Josef Liefers.

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