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Zwei Selbstdarsteller im Duell: Ex-Präsident Richard Nixon (Frank Langella) und Talkmaster David Frost (Michael Sheen).

Nur einer kann gewinnen

Ron Howards Kammerspiel über das legendäre TV-Duell zwischen Richard Nixon und David Frost

Es war ein bizarres Treffen, etwa so als würde Thomas Gottschalk George W. Bush einladen und ihm im Interview das Eingeständnis entlocken, dass er schon vor dem Krieg gegen den Irak wusste, dass er dort keine Massenvernichtungswaffen finden würde. In etwa so musste es den weltweit 400 Millionen Zuschauern gegangen sein, als sie 1977 dem populären Talkmaster David Frost dabei zusahen, wie er den ehemaligen US-Präsidenten Richard Nixon dazu brachte zu behaupten, dass nichts, was der Präsident im Amt täte, illegal sein könnte.

Nixon hatte Frosts Sendung nutzen wollen, um seinen guten Ruf wiederherzustellen. Fast wäre es ihm gelungen. Nixon war schlagfertig, klug, charismatisch. Man ertappte sich bei einem merkwürdigen Gedanken: War er wirklich so schlimm? Der bislang einzige US-Präsident, der zurücktreten musste? Der Mann, der Freund und Feind bespitzeln ließ und kriminelle Machenschaften in seinem Regierungsapparat zuließ?

Das Drehbuch, das auf einem erfolgreichen Theaterstück beruht, spielt geschickt mit der ambivalenten Wirkung, die Nixon auf die Menschen hatte. Denn dieser Politiker war zwar paranoid, unberechenbar und hatte die Maßstäbe für sein Handeln verloren. Aber immerhin wusste er, wie man Staatsgeschäfte führt. Und im Vergleich etwa zum Dilettanten George W. Bush steht Nixon trotz aller Verfehlungen tatsächlich wie ein Titan da.

Regisseur Ron Howard widersteht geschickt der Versuchung, ein nachträgliches Tribunal zu veranstalten – die Geschichte hat ihr Urteil über Nixon längst gefällt. Howard geht es nicht so sehr um Politik als vielmehr um die Medien. Denn so ausgekocht Nixon auch sein mochte – wie Fernsehen funktioniert, welche Macht es haben kann, hat er nie begriffen. Zudem saß ihm ein Moderator gegenüber, der sich nicht vorführen lassen wollte. Zwei manische Selbstdarsteller trafen zusammen, und nur einer konnte gewinnen. Frank Langella als Nixon und Michael Sheen als Frost spielen das so intensiv und nuanciert, wie es nur zwei Kollegen können, die jeden Abend zusammenarbeiten. Die beiden waren schon bei den umjubelten Broadway-Aufführungen dabei. Bemerkenswert übrigens, dass Frost sein Einverständnis zu diesem Projekt gegeben hat. Auch wenn er das Duell damals gewann, und Nixon endgültig erledigt war: Als Held wird Frost nicht gezeichnet, er wirkt nicht einmal sehr sympathisch. (In München: Cinemaxx, Royal, Gloria, Leopold, Rottmann, Atlantis OV, Cinema OV, Museum OV)

„Frost/Nixon“

mit Michael Sheen, Frank Langella
Regie: Ron Howard
Sehenswert ((((;

von Zoran Gojic

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