Einfach innehalten - "Mein erstes Wunder"

- Ihre Film-Karriere begann mit einem Eklat: Weil sich die Dreharbeiten zu "Aimée und Jaguar" in die Länge zogen, wurde Juliane Köhler fristlos aus dem Münchner Residenztheater entlassen. Inzwischen gibt's dort mit Dieter Dorn einen neuen Intendanten, die Schauspielerin tritt wieder auf, und es gelingt ihr der Spagat zwischen Theater und Film. In "Mein erstes Wunder" spielt sie die allein erziehende Mutter Franziska, die mit ihrer Tochter ein paar eher ungewöhnliche Probleme hat.

<P>"Mein erstes Wunder" erzählt von der Beziehung einer Elfjährigen zu einem wesentlich älteren Mann. Die Regisseurin Anne Wild sagte, es ist nicht die Liebe eines Mannes zu einer Frau oder die eines Vaters zu einem Kind. Was ist es dann?<BR><BR>Köhler: Für mich ist diese Verbindung der beiden nach wie vor ein unauflösbares Geheimnis. Der Mann hat sich aus seiner Kindheit etwas bewahren können, was unsereins nicht behalten hat. Zwischen ihm und dem Mädchen ist eine ganz kindliche, poetische Liebe und eine ganz tiefe Verbundenheit, die sich mit den Kategorien, die man heute in unserer Gesellschaft dafür zu Verfügung hat, einfach nicht fassen lässt. Wenn ich den Film jetzt sehe, werde ich immer ein wenig neidisch und denke: Wahnsinn, was dieser Mann kann, würde ich auch gerne noch einmal können. Einfach so innehalten und den Augenblick genießen - das gelingt ja nur Kindern.<BR><BR>Hatten Sie nicht Bedenken, es könnte ein klischeeüberladenes Lolita-Filmchen herauskommen?<BR><BR>Köhler: Klar, daran denkt man, sobald man die Geschichte hört. Aber als ich das Drehbuch gelesen hatte, habe ich verstanden, dass diese Richtung nicht gemeint ist. Wir haben am Set lange darüber geredet, dass man aufpassen muss, nicht in dieses Klischee abzurutschen, und das ist nicht passiert.<BR><BR>Was hat Sie an der Figur der Franziska gereizt?<BR><BR>Köhler: Generell interessieren mich immer Charaktere, die auf der Suche sind, die einen Hang zum Hysterischen haben oder das sind, was man gemeinhin als kompliziert bezeichnet. Diese Typen spiele ich öfter. Die Jettel in "Nirgendwo in Afrika" ist so eine Person oder auch die "Hedda Gabler", die ich am Residenztheater gespielt habe. Alles Frauen, die sich schnell verunsichern lassen. Damit kann ich mich sehr identifizieren. Ich bin auch kein einfacher Mensch.<BR><BR>Das bedeutet, es gibt Parallelen zu Ihrem Leben?<BR><BR>Köhler: Naja, Franziska hat so eine große Sehnsucht nach Geborgenheit, nach einer Familie, aber irgendwie kriegt sie das alles nicht hin. Dieses Hin-und-Her-Schlackernde, das reizt mich sehr. Und diese Sinn-Suche, die Franziska betreibt, die habe ich mit 18 oder 19 Jahren genauso erlebt. Aber ich kenne auch diesen Anspruch gut, alles perfekt zu machen: perfekte Familie, perfekt im Beruf. Man will die beste Mutter sein und gleichzeitig eine attraktive Ehefrau. Alles möchte man unter einen Hut kriegen und dann noch als I-Tüpfelchen darauf setzen, dass man niemals gestresst ist. Das ist eigentlich der größte Stress.<BR><BR>Es heißt immer, nichts ist schlimmer als mit Kindern zu drehen. Wie verlief die Arbeit mit der erst zwölfjährigen Henriette Confurius?<BR><BR>Köhler: Wir haben an der Ostsee gefilmt und waren ständig am Strand, und da spielte sie immer viel lieber mit ihren Brüdern oder Freundinnen, als eine Szene zu drehen. Kaum war dann aber die Kamera an, war sie so präsent, dass ich nur noch gestaunt habe: Unsereiner geht jahrelang auf die Schauspielschule und übt und übt, und so ein Kind kommt einfach daher und kann alles. Außerdem fehlte ihr völlig dieser Ehrgeiz, Filmstar werden zu wollen, und das war mir besonders sympathisch.<BR><BR>Wollten Sie früher ein Filmstar werden?<BR><BR>Köhler: Nein. Ich wollte eigentlich Clown werden, aber dann merkte ich rasch, dass ich einfach körperliche Grenzen besaß. Ich war nie extrem sportlich. Also habe ich mir überlegt: Lieber eine gute Schauspielerin als ein mittelmäßiger Clown. Im Grunde war die Schauspielerei für mich also eher eine Notlösung. Ich wollte einfach nur gut sein in dem, was ich tue. Aber ich muss nicht unbedingt ein Filmstar werden.</P><P>Das Gespräch führte Ulrike Gasteiger<BR></P><P>- zur Filmkritik</P>

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