Es war einmal in Amerika

"Golden Door": - Dass der Weg das Ziel sei, hat man schon mal gehört. Selbst wenn man "Golden Door" auf diese knappe Behauptung reduzieren kann, ist Emanuele Crialese ein starker, sehenswerter Film gelungen - auch hier ist es der Weg, sprich: das Erleben im Kino, worauf es ankommt.

Der italienische Regisseur erzählt in dieser Melange aus Traumspiel und Kostümfilm von jenen Millionen Landsleuten, die Anfang des 20. Jahrhunderts der Armut ihrer Heimat zu entkommen suchten und ihr Glück in der Neuen Welt machen wollten. "Golden Door" ist wunderbar gefilmt, gemacht für eine große Breitwandleinwand, in satten Farben gehalten.

Was diesen Film außerdem von vielen anderen Auswandererdramen unterscheidet, ist, dass er das Gewicht auf die Alte Welt legt und auf die Überfahrt mit dem Schiff. Golden sind dort vor allem die Hoffnungen, drinnen ist es dunkel und unangenehm. "Golden Door" ist ein Film über Träume und Optimismus, über die Utopie, bevor sie desillusioniert wird.

Im Zentrum steht eine sizilianische Bauernfamilie. Ihr Leben ist hart und hässlich, doch umso schöner sind die Geschichten, die sie aus dem Schlaraffenland auf der anderen Seite des Meeres hören: Kartoffeln so groß wie Kutschen, Karotten so lang wie Kanus, Bäume, auf denen Gold wächst. Mit solchen Erwartungen brechen die Italiener auf. Doch zur Hoffnung gehört Angst, insgeheim wissen diese Menschen, dass nicht alles so sein wird, wie man erzählt. Schon auf der Überfahrt treffen sie vor allem auf Fremdes, wie die englische Dame Lucy Peters (Charlotte Gainsbourg), die im Kontrast zu den Bauern wirkt wie eine Prinzessin - die fleischgewordene Utopie.

Crialese erzählt ein modernes Märchen in einem fesselnden Stil. Ohne den Gründungsmythos der USA zu verherrlichen, weckt er einen Sinn dafür, was einmal "Amerika" war - und was verloren ging. (In München: Isabella, Atelier, Cinema OV, Theatiner OmU)

"Golden Door"

mit Vincenzo Amato, Filippo Pucillo, Francesco Casisa

Regie: Emanuele Crialese

Hervorragend *****

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Star Wars 8 „Die letzten Jedi“: Diese Fragen sind offen
Am Donnerstag läuft der neue Star Wars Film in deutschen Kinos an. Es sind jedoch einige Fragen offen: Wer ist Chewbaccas neuer Begleiter? Was passiert mit Prinzessin …
Star Wars 8 „Die letzten Jedi“: Diese Fragen sind offen
Mark Hamill über Carrie Fisher: „Als sie starb, war ich sauer!“
„Star Wars - Die letzten Jedi“ läuft ab Donnerstag in den Kinos. Die tz hat mit Luke-Skywalker-Darsteller Mark Hamill über seinen Ruhm, über Actionfiguren und seine …
Mark Hamill über Carrie Fisher: „Als sie starb, war ich sauer!“

Kommentare