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Einsam ist die Zukunft

- Nach Andrej Tarkowskis 1972 entstandenem Film ist Steven Soderberghs "Solaris" (ab morgen im Kino) die zweite Verfilmung von Stanislaw Lems berühmtem Roman. Die Geschichte um eine Raumstation der Zukunft ist Soderberghs erster Science-Fiction-Film. In den letzten Jahren wurde der 40-jährige Soderbergh zu einem der wichtigsten und kreativsten Regisseure Hollywoods. 1989 wurde der damals 26-Jährige schlagartig bekannt, als er mit seinem Erstling "Sex, Lügen & Video" die Goldene Palme beim Filmfestival von Cannes gewann. Seitdem drehte er durchweg anspruchsvolle Filme, denen es oft gelingt, auch ein breites Publikum zu begeistern. Zuletzt etwa "Out of Sight", "Erin Brockovich" und "Ocean's Eleven".

<P>Warum "Solaris"?<BR>Soderbergh: Ich habe das Buch bereits als Teenager gelesen. Mich hat an dem Stoff besonders die Verbindung von Liebesgeschichte und Science-Fiction interessiert.</P><P>Es gibt Änderungen gegenüber Stanislaw Lems Vorlage, auch im Vergleich zu Tarkowski.<BR>Soderbergh: Man kann ein Buch wie dieses nicht einfach abbilden. Man muss interpretieren. Wenn in 30 Jahren wieder jemand den Roman zur Hand nimmt und sich entschließt, einen dritten Film zu drehen, der wiederum ganz anders ist, dann wäre das doch toll, vor allem für Kinoliebhaber. Je unterschiedlicher desto besser! Ich habe die Story bewusst verengt. Im Gegensatz zu Tarkowski, der vor allem ein ödipales Vater-Sohn-Drama entwickelt hat - sein Film ist noch mehr als Lems Buch geprägt von der Situation eines osteuropäischen Intellektuellen im Kalten Krieg -, steht bei mir die Ehe der Hauptfigur im Zentrum. Die Liebe, nicht die Angst wie bei Tarkowski, dessen Version ich doch recht trostlos finde. Bei der Arbeit am Drehbuch habe ich versucht, mich so stark wie möglich auf die Figur der Frau, Rheya, zu konzentrieren. Ich fand, dass ihr Charakter in Lems Novelle unter Wert behandelt wurde. Ich wollte ihr Dilemma dramatisieren: Sie ist eine lebende und daher leidende Fiktion, ein romantisches Motiv, der leidende Geist. </P><P>Haben Sie Sinn für Romantik?<BR>Soderbergh: Ich glaube an Gefühle und an den Verstand. Das eine geht nicht ohne das andere, wobei der Verstand wichtiger ist. Aber ich glaube nicht an Gott. Ich glaube an die Kunst. </P><P>"Solaris" ist auch ein Film über die Leere, die Einsamkeit, die Stille. Sieht so die Zukunft aus?<BR>Soderbergh: Wie sie ausschaut, hat mich weniger interessiert. Ich wollte wissen, wie sich die Zukunft anfühlt. Mein Film ist der Versuch, meinen persönlichen Vermutungen über die Zukunft Gestalt zu geben. Die Welt von morgen wird ein isolierender Ort sein, einsam. Dies verbindet meinen Film auch am ehesten mit Tarkowski.</P><P>In den USA war die Reaktion des Publikums sehr durchwachsen. Stört Sie das? <BR>Soderbergh: Man kann keinen Film wie diesen machen und überrascht sein, dass ihn einige langweilig finden. Ich bin offen für Kritik. Darum geht es ja beim Film: Diskussionsstoff zu liefern, zu provozieren, Reaktionen zu erzeugen. Wenn einer sagt, es sei langweilig, dann ist das nicht schlimm; aber mit Verlaub, es sagt doch mehr aus über den, der hinschaut, als über das, was da zu sehen ist.</P><P>Ihre drei letzten Filme, "Ocean's Eleven", "Full Frontal", der bisher nur in Venedig lief, und "Solaris" sind sehr unterschiedlich - thematisch, stilistisch, erzählerisch. Warum diese Diskontinuität?<BR>Soderbergh: Ich möchte Filme machen, über die sich das Nachdenken lohnt. Und für die ich mich in zehn Jahren nicht schämen muss. Hitchcock oder Kubrick mussten ihre künstlerischen Ziele verstecken. Das klassische Studiosystem schränkte die künstlerische Freiheit stark ein - nicht immer zum Schaden der Filme. Ich dagegen habe Glück gehabt. Mit meinem ersten Film gewann ich einen wichtigen Preis; ich kam aus der Independent-Szene, man hätte mir nicht so leicht hineinreden können. Der Punkt ist, dass ich weder das eine noch das andere andauernd machen will. Ich will genau den Status haben, der mir erlaubt hin- und herzuspringen.</P><P>Das Gespräch führte  Rüdiger Suchsland</P>

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