Eisenhart entschlossen - Musik von Ennio Morricone

München - Eine Fremde, aus dem Nichts kommend. Die gut 30-jährige Frau (Xenia Rappoport) mietet eine schäbige Wohnung, sucht Arbeit.

Sie heißt Irina, und bald wird durch allerlei Rückblenden klar, dass sie von schlimmen Erinnerungen gequält wird: Offenbar war sie eine Sexsklavin, gefangen, zu allerlei erniedrigenden Handlungen gezwungen, gefoltert und geschwängert worden und ihrer Kinder wie ihres einzigen echten Geliebten beraubt. Irgendwann konnte sie ausbrechen, nun will sie sich für ihr Leid rächen.

Die zentrale Geschichte dieses mysteriösen Psychothrillers dreht sich darum, wie jene geheimnisvolle Irina es schafft, sich bei einer Juweliersfamilie eine Stelle als Haushälterin zu beschaffen, sich zur Ersatzmutter der Tochter zu entwickeln, die Familie auszuspionieren - bevor sie ihre Rachemission vollenden kann.

Zugleich ist jene eisenhart entschlossene Frau ein Mensch, der gegen seine Verletzungen und um eine Chance auf neues Lebensglück kämpft. Sie hat dabei klare Prinzipien, und der Regisseur schlägt sich ganz auf die Seite seiner Figur: "Wenn dich jemand schlägt, schlage zurück. Und wenn du nicht weißt, wer es war, schnapp' dir den Erstbesten, aber bestrafe niemals dich selbst."

Vieles in Geschichte und Inszenierung erinnern an Lukas Moodysson ("Lilja 4-ever"), David Lynch ("Inland Empire") und an Hitchcock ("Vertigo") - doch bei Tornatore ist alles ein, zwei Spuren dicker aufgetragen, sentimentalisiert und ohne Zwischentöne. Dazu trägt auch die Musik Ennio Morricones ("Spiel mir das Lied vom Tod") wesentlich bei. Sehenswert ist dieses Verwirrspiel um sexuelle Gewalt allerdings trotz solcher Einwände durchaus. (In München: Atelier.) Rüdiger Suchsland

"Die Unbekannte"

mit Xenia Rappoport

Regie: Giuseppe Tornatore

Sehenswert

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