Das Rot des Elefanten

- Am Anfang das Ende. Mit dem Tod des berühmtesten Griechenfürsten lässt Oliver Stone sein Epos beginnen. Dabei lehnt er sich an den Auftakt von Orson Welles' "Citizen Kane" an: Der erschlaffenden Hand des Sterbenden entgleitet der Siegelring, die Umgebung mischt sich mit Fantasiebildern, Erinnerungen setzen ein. Vielleicht hätte er dieser Intuition konsequent folgen und seinen Film aus der Perspektive der Hauptfigur erzählen sollen. Doch Stone entschied sich für eine zweite Ebene. Anthony Hopkins redet als Alexanders greiser Ex-Kampfkamerad Ptolemaios von alten Zeiten und knüpft die arg gestraffte Handlung zu Erzählfäden.

<P class=MsoNormal>Das mag für Uninformierte die Fakten ordnen, den Film hingegen wirft es aus dem Gleichgewicht: Die Perspektive schwankt zwischen authentischer Darstellung und persönlicher Sicht einer getriebenen, schwer traumatisierten, zugleich charismatischen Persönlichkeit, die modern und ihrer Zeit in manchem weit voraus war. "Alexander" ist ein visuell kraftvolles Werk, das Motive aus der Filmgeschichte aufgreift und in etwas Eigenes verwandelt, das unverkennbar Stones Handschrift trägt. Vieles ist perfekt recherchiert, detailgenau verfilmt. Stones Lieblingsthema ödipaler Familienverhältnisse findet man auch hier. Sein Alexander leidet unter übermächtiger Mutterliebe und fehlender Anerkennung des Vaters. Mutter Olympias wird von Angelina Jolie gespielt. Mit schwerem Akzent, gerunzelter Stirn, wallenden Kleidern und um den Körper gewickelten Schlangen schreitet sie durch den Film und stellt jene Aura alter Hollywood-Sandalenklassiker her, die dem Film ansonsten fehlt.</P><P class=MsoNormal>Auch diesmal gilt bei Stone: Das Private ist hochpolitisch. In Zeiten, in denen die US-Gesellschaft um die Zulassung der Homosexuellenehe streitet, ist die einigermaßen deutliche Darstellung eines männerliebenden Fürsten immer noch provokant. Stone porträtiert ihn als Verwandten seiner anderen Helden  ein Träumer, politischer Visionär und Vorreiter eines neuen, freiheitlichen Lebensstils. Hier bekommt der Film jene klare Richtung, die ihm sonst oft fehlt. Auch visuell überzeugt er nur zum Teil. Großartig ist die Darstellung zweier Schlachten. Manchmal fliegt die Kamera wie ein Vogel über die Schlachtreihen  man sieht kein fröhlich-patriotisches Sterben im Krieg. Auch ein Kampf in Indien ist atemberaubend, die Begegnung Alexanders mit einem Elefanten wird zum mythischen Moment; wie in "Apokalypse Now" oder "Excalibur" ist alles in psychedelisches Rot getaucht. </P><P class=MsoNormal>Mehr davon und "Alexander" wäre ein großer Film geworden. Doch immer wieder zerstören zu viel Gerede, zu viel Zwischenerzählung den reinen Zauber. Im Unterschied zu "Motorcycle Diaries", der seine sperrige Figur aller Authentizität beraubt, um sie dem Massenpublikum zumuten zu können, versucht Stone seinem Stoff gerecht zu bleiben. Das Ergebnis fasziniert, besticht durch Intelligenz und Bildgewalt, durch das Wissen eines Regisseurs, der sich seinem Thema jederzeit gewachsen zeigt  und keine Konzession an den Mainstream macht.</P><P class=MsoNormal>Aber die verschiedenen Teile passen nicht gut zusammen. Indem er seine Hauptfigur gleichzeitig entmythisiert und verklärt, fehlt dem Film die Konsequenz, die er benötigte, um durchweg zu begeistern. (In München: Mathäser, Maxx, Marmorhaus, Royal, Münchner Freiheit, Cinema i. O.)</P><P class=MsoNormal>"Alexander"<BR>mit Colin Farrell, Angelina Jolie, Val Kilmer<BR>Regie: Oliver Stone<BR>Sehenswert</P>

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