Elfriede Kuzmany: Wie ein Luftgeist

- Nun hat sie den Schlussstrich ihres Lebens endgültig gezogen: Gestern ist Elfriede Kuzmany im Alter von 90 Jahren in München gestorben. Teilgenommen an der Allgemeinheit und am großen Treiben der deutschen und speziell der Münchner Theaterlandschaft hatte sie schon lange nicht mehr. Aber sie ist und bleibt all jenen in Erinnerung, die ihr auf der Bühne begegneten, die sie im Fernsehen oder im Film sehen konnten.

Diese Schauspielerin war von ganz besonderer Art: zart, zerbrechlich, knabenhaft; mitunter von einer flirrenden Unwirklichkeit; dann wieder von energischer Festigkeit und Willensstärke; und immer ungeheuer präsent. Mit ihrem prägnanten, sie charakterisierenden "hohen" Ton brachte sie den Text zum Klingen - egal ob es ein TV-Krimi war oder, 1963, der Film "Das schwarzweiße Himmelbett", wofür sie mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet wurde. Die Domäne der Kuzmany aber war die Bühne.

Am 29. September 1915 in Rokitnitz in Ostböhmen geboren, studierte sie in Wien zunächst Malerei und Grafik, dann Schauspiel. Nach Engagements in Wien (Josefstadt) und Berlin (Deutsches Theater) kam sie 1949 nach München. Hier prägte sie am Residenztheater drei Jahrzehnte lang das künstlerische Profil des Hauses. Und darüber hinaus das neue Frauenbild des jungen Nachkriegsdeutschland. Ein Idol.

Elfriede Kuzmany, jung Witwe geworden und allein erziehende Mutter zweier Kinder, lebte fürs Theater. Berühmt ihre Shakespeare-Mädchen von Julia über Rosalinde bis zur Cressida, aber auch ihr Luftgeist Ariel ("Sturm"), Kleists Käthchen und später seine Kunigunde, Goethes Clärchen, Schillers Maria Stuart, Shaws Heilige Johanna, Lope de Vegas Dame Kobold, Sophokles Elektra, Garcia Lorcas Dona Rosita, Hauptmanns Sidonie Knobbe ("Die Ratten"), wofür sie bei einem New-York-Gastspiel enthusiastisch gefeiert wurde. Dazwischen immer wieder auch Modernes.

1979 verließ Elfriede Kuzmany nach allerlei Querelen mit dem damaligen Intendanten Kurt Meisel das Residenztheater. Sie widmete sich wieder mehr der Malerei, besuchte die Sommer-Akademien in Salzburg, zeichnete bei Oskar Kokoschka und schrieb, als ihre persönliche Abrechnung mit dem so genannten Regietheater, ihr Buch "Der Anti-Antifaust".

Dennoch blieb Elfriede Kuzmany immer eine begehrte Schauspielerin - im Fernsehen, an den Münchner Kammerspielen, der Freien Volksbühne Berlin sowie der Berliner Schaubühne.

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