Elia Kazan gestorben - Amerikas verehrter und umstrittener Meisterregisseur

- New York - Als der Meisterregisseur Elia Kazan vor vier Jahren mit einem Oscar für sein Lebenswerk geehrt wurde, konnten auch Robert De Niro und Martin Scorsese einen Eklat nicht verhindern. Millionen Fernsehzuschauer sahen, wie die beiden Stars Beschützern gleich den alten Mann auf die Bühne begleiteten. Und wie viele der Prominenten im Saal der Hollywood-Legende den Beifall verweigerten und sitzen blieben.

<P>Dem Schöpfer etlicher Filmklassiker, der am Sonntag im Alter von 94 Jahren starb, hatten sie selbst nach Jahrzehnten seine Aussagen gegen einstige Gesinnungsgenossen vor dem McCarthy-Komitee für unamerikanische Umtriebe nicht verzeihen wollen.</P><P>So umstritten dieser Teil der Kazan-Biografie ist, die sogar nach seinem Tod unter anderem von der "New York Times" wieder ins Medien- Rampenlicht gestellt wurde, so unumstritten ist seine enorme künstlerische Leistung. Kazan habe "so viel Herausragendes für Theater und Film geleistet, dass ihm große Ehre gebührt", sagte selbst der linksliberale Dramatiker Arthur Miller. Vielen Kritikern gilt Kazan gar als bester Regisseur in der bisherigen Geschichte des amerikanischen Theaters und Films.</P><P>Am Broadway schrieb er in den 40er und 50er Jahren mit Stücken von Miller und Tennessee Williams Theatergeschichte. Zu seinen legendären Inszenierungen gehörten "Tod eines Handlungsreisenden" und "Die Katze auf dem heißen Blechdach". Als Gründer des berühmten Actors Studio in New York sorgte Kazan für die Herausbildung eines neuen Schauspielstils. Er entdeckte Marlon Brando, James Dean und Warren Beatty und machte sie zu Stars.</P><P>Hollywood drückte er nachhaltig seinen Stempel auf. Die Filmfassung seiner Bühneninszenierung von Williams "Endstation Sehnsucht" machte Brando 1951 in der Rolle des aufbegehrenden Jugendlichen Stanley Kowalski berühmt und das T-Shirt, das er trug, wurde zum Modeschlager. Sieben von Kazans Filmen gewannen insgesamt 20 Oscars.</P><P>Die erste seiner drei persönlichen Oscar-Ehrungen bekam Kazan 1947 für "Tabu der Gerechten", eine Auseinandersetzung mit dem damals in den USA noch verbreiteten Anti-Semitismus mit Gregory Peck in der Hauptrolle. Seine zweiten Academy Award gewann er 1954 mit "Die Faust im Nacken".</P><P>Für dieses in den Hafendocks von New Jersey gedrehte Gewerkschaftsdrama erhielt Brando einen Oscar als bester Schauspieler. Zuvor war er 1952 mit Kazans Mexiko-Drama "Viva Zapata" als proletarischer Held, der sich nicht korrumpieren lässt, bereits für einen Oscar nominiert worden.</P><P>"Die Faust im Nacken" gilt manchen Filmhistorikern allerdings nicht nur als Meilenstein der Regie-Kunst, sondern auch als ein Versuch Kazans und des Drehbuchautors Budd Schulenberg, der ebenfalls vor dem McCarthy-Komitee Namen genannt hatte, sich zu rechtfertigen. Der von Brando gespielte Ex-Boxer und Hafenarbeiter Terry Malloy sagt vor einer Kommission, die Korruption in der Hafengewerkschaft untersucht, gegen Feinde ebenso wie gegen verstrickte Freunde aus.</P><P>Kazan, der von 1934 bis 1936 Mitglied der amerikanischen KP war, erklärte später zu seiner Kooperation mit McCarthy: "Ich hatte viele Gründe zu glauben, dass diese Partei aus ihren Verstecken getrieben und ins Licht der Überprüfung gestellt werden musste." Jahrelang haftete dem ansonsten hoch verehrten Filmkünstler in Hollywood das Schimpfwort "King Rat", Königsratte, an.</P><P>Der nur 1,68 Meter große Kazan beschrieb sich selbst als einen Mann voller Widersprüche. In seiner 1988 erschienen Autobiografie verglich er sich mit einer Schlange: "Ich habe in meiner Zeit viele Häute abgestreift, habe viele Leben gelebt und habe gewaltsame und grausame Veränderungen erfahren." Und er fügte hinzu: "Ich habe Leute oft dadurch in Erstaunen versetzt, dass ich meine Positionen und Verhaltensweisen ins total Entgegengesetzte verkehrte."</P><P>Sicher lag das auch daran, dass Kazan das Gefühl, ein Außenseiter zu sein, trotz aller Erfolge nie richtig los wurde. 1909 in Konstantinopel als Sohn eines griechischen Teppichhändlers geborgen, kam Elia Kazanjoglous später mit seinen Eltern nach Amerika. In der Schule musste der Einwanderersohn Demütigungen ertragen, die er später bei der Gestaltung von Filmhelden verarbeitete. Wie das einfache Volk Amerikas lebte und wie es dachte, hatte Kazan auch erfahren, als sich sein Theaterstudium mit Tagelöhnerjobs verdiente.</P>

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