Endspurt: Dokumentar-Film-Festival

- Wirklichkeit! Wahrheit! - Man brauchte nur Michael Moores Rede bei der letzten Oscarverleihung anzuhören, um sich an das Pathos zu erinnern, das man einst mit dem Dokumentarfilm verband: Aufklärung, Lernprozesse, das Gegenteil von Verblendung und Traumfabrik, die angeblich mit dem Spielfilm einhergehen.

<P>Wie einseitig dieses Bild ist, wie viel Kunst auch in Dokumentarfilmen liegen kann, und wie kunstvoll auch das "richtige" Leben arrangiert werden muss, um zu einem guten Dokumentarfilm zu werden, ist jetzt noch bis zu diesem Wochenende beim Internationalen Dokumentarfilmfestival in München zu erleben. Es ist beachtlich, was hier mit einem vergleichsweise mickrigen Etat auf die Beine gestellt wurde: etwa 100 Filme in acht Tagen und Einladungen für Regisseure aus aller Welt.<BR><BR>Hochinteressant und topaktuell ist der Schwerpunkt zum Krisenherd Nah-Ost: "Ford Transit" (heute, Maxim) von Hany Abu-Assad porträtiert einen Palästinenser, der in seinem Sammeltaxi Fahrgäste zwischen Ramallah und Ost-Jerusalem fährt. Die Passagiere äußern sich zur Lage; zugleich erlebt man, wie der junge Fahrer um Kunden buhlt, Ausweichtouren organisiert und illegale Nebenverdienste. Skandaltauglich ist "Jenin, Jenin", ein palästinensischer Propagandafilm, der sehr einseitig die palästinensische Sicht der Intifada darstellt (heute, Gasteig); der TV-Sender arte hat ihn aus seinem Programm genommen.<BR><BR>Die andere Seite zeigen - allerdings weitaus weniger einseitig - "For my Children" (Gasteig) von Michal Aviad, der Eröffnungsfilm, der nochmal am 10. Mai läuft, und "Hanadon: Uri Avnery" (heute, Gasteig) von Yair Lev, ein Porträt des Journalisten, der seit 50 Jahren in Israel eine moralische Instanz ist.<BR><BR>Weitere Highlights im Programm: "Hirtenreise ins dritte Jahrtausend" (heute und morgen, Filmmuseum und Maxim) vom Schweizer Erich Langjahr. Die Sonder-Reihe "Neue Filme aus Bayern" bietet einen etwas anderen Blick auf die nähere Heimat. </P><P>So etwa in Alice Agneskirchners "Wildenranna" (Samstag, Gasteig), einer liebevoll-ironischen Reise in den gleichnamigen 900-Einwohner-Ort im Bayerischen Wald. Zwischen Kirche und Stammtisch, harten Wintern und kurzen Sommern ändern sich die Dinge nur langsam. In den 30er-Jahren sind viele nach Amerika ausgewandert, die meisten sind wiedergekommen.<BR></P>

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