Ein Engel kommt

- Nomen est omen: Ángel, der Name der Hauptfigur, bedeutet auf Spanisch Engel. Ob es wirklich ein Engel ist, was ihn da seit einiger Zeit begleitet, bleibt offen - vielleicht ist der junge Mann auch einfach psychisch krank. Man erfährt jedenfalls, dass Ángel schon einmal in entsprechender Behandlung war. Jetzt kommt er, der als Schädlingsbekämpfer arbeitet, in ein kleines Dorf, wo durch seine Anwesenheit bald das soziale Gefüge gehörig durcheinander gebracht wird.

Ángel (Carmelo Gómez) verliebt sich überdies in zwei Frauen, in die bodenständig-rebellische Mari (Silke Hornillos Klein) und in die ätherische Ángela (Emma Suárez), die womöglich auch ein Engel ist. Und weil diese beide seine Liebe erwidern, muss er einen Ausweg aus dem Dilemma finden. <BR><BR>Neben Pedro Almodóvar ist der 38-jährige Julio Medem der international bedeutendste und für nicht wenige Beobachter sogar der bessere spanische Gegenwartsregisseur. "Tierra", der jetzt in die Kinos kommt, ist sein dritter Film und entstand bereits 1996. Medems Filme sind Märchen für Erwachsene, komplexe, psychologisch tief schürfende und dabei poetische Traumspiele, die ebenso an Traditionen des Mittelalters und der spanischen Barockliteratur anknüpfen wie an den Surrealismus. <BR><BR>Gerade in "Tierra" bewegt sich Medem auf den Spuren Buñuels. Mehr als einmal kommen einem dessen Filme in den Sinn, vor allem "Das obskure Objekt der Begierde". "Tierra" ist ein Feuerwerk der Sinne: mitreißend, stellenweise atemberaubend, immer romantisch. <BR><BR>Dabei beweist der Regisseur, dass das Kino selbst dort, wo es kitschig wird, noch klug sein kann: Medems Filme sind Erscheinung gewordene Philosophie mit einer ganz eigenen, sehr spanischen Note; Vexierspiele voller Einfallsreichtum, Energie und Zauber. Denn auch das weiß Medem von Buñuel: Die Wahrheit, so es überhaupt eine gibt, ist jedenfalls schön. <BR><BR><BR>"Tierra"<BR>mit Carmelo Gómez, Silke Hornillos Klein, Emma Suárez<BR>Regie: Julio Medem<BR>Hervorragend

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