Erbarmungsloses Gemetzel

- Jin-tae ist ein glücklicher junger Mann. Der Draufgängertyp steht kurz vor der Heirat mit seiner Verlobten Young-shin. Doch mit dem Ausbruch des Korea-Krieges im Juni 1950 werden er und sein jüngerer, sensibler Bruder Jin-seok zum Militärdienst zwangsrekrutiert. Jin-tae zeigt sich ehrgeizig, er meldet sich freiwillig selbst zu den gefährlichsten Aufträgen.

Jin-seok kritisiert diese Sucht nach Ruhm. Unter dem Eindruck des Grauens auf den Kriegsschauplätzen verroht Jin-tae zusehends und schreckt schließlich sogar nicht davor zurück, Gefangene zu foltern. Da kommt es zum Bruch zwischen den Brüdern. Traumatisiert vom Tod seiner Verlobten, ermordet durch antikommunistische Fanatiker, erschlägt Jin-tae seinen Kommandeur und läuft zur nordkoreanischen Armee über. Schließlich stehen sich beide Brüder auf dem Schlachtfeld gegenüber.

Kalte Choreographie des Tötens

Der von Je-gyu Kang souverän inszenierte Film ist Kriegsfilm und Melodram, emotional und für westliche Augen nicht immer von Gefühlsschmalz unterscheidbar. Er hat den Vorzug, das brutale Geschehen visuell nicht schön zu färben, in manchen Passagen stellt er seine Grausamkeiten über Gebühr aus und bedient neben dem Vermitteln einer moralischen Botschaft auch voyeuristische Interessen. Dabei lässt die Reduktion des politischen Kampfs auf einen Konflikt zwischen Brüdern an Deutlichkeit der Aussage wenig zu wünschen übrig.

"Brotherhood" schwankt zwischen zwei Polen. Einerseits enthält der Film Passagen, die auch in der südkoreanischen Gegenwart problematisch sind: Die Absurdität des Antikommunismus, der Fanatismus der "Kommunistenfresser", die schändlichen Lebensbedingungen in der Armee, schließlich der oft unheilvolle Einfluss der Amerikaner, der Quasi-Besatzungsmacht, werden klar dargestellt. Andererseits wird vieles um der Massenwirksamkeit willen einfacher gezeichnet, als es nötig gewesen wäre.

So entwirft der Film "Brotherhood" zwar ein gnadenloses Bild des Kampfgeschehens: Kühl und spürbar manipulativ zeigt er eine kalte Choreographie des Tötens und Getötetwerdens ohne Verschnaufpause. Man muss hier nicht von einer fast dokumentarischen Darstellung des Kriegsgrauens schwadronieren, zu eindimensional, zu wenig analytisch ist das Ganze. Auch dies ist ein so genannter "Anti-Kriegsfilm", der seine kritische Botschaft offenbar nur mit sehr viel Gewalt glaubwürdig machen kann. (Ab morgen in München: Monopol-Kinos i.O.)

"Brotherhood"

mit Jang Dong-kun, Won Bin

Regie: Je-gyu Kang

Sehenswert

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