"Ernsthaft" oder "widerwärtig"

- Der heftig umstrittene Jesus-Film von Mel Gibson - der Vatikan dementierte eine positive Äußerung von Papst Johannes Paul II. - ist in die US-Kinos gekommen. In Großstädten gab es bereits am Vorabend Sondervorführungen für Kirchengemeinden.

Jüdische sowie einige christliche Organisationen hatten Gibson vorgeworfen, mit einer historisch zweifelhaften Dramatisierung der Passionsgeschichte die Juden allgemein für den Tod Christi verantwortlich zu machen. Manche US-Filmrezensenten sahen den Vorwurf der Judenfeindlichkeit als gerechtfertigt an. Der Kritiker der "New York Daily News" erklärte, "Die Passion Christi" sei "der schärfste antisemitische Film seit den Propagandafilmen der Deutschen im Zweiten Weltkrieg". In anderen Besprechungen wurde darauf verwiesen, dass die einzigen sympathischen Charaktere in dem Film Juden seien und dass Gibson sich weitgehend an die Evangelien halte.<BR><BR>In den meisten Rezensionen wurde die schonungslose Brutalität kritisiert. Der Kritiker von "USA Today" schrieb, der konservative Katholik Gibson habe aus der Passion Jesu aufgrund seiner "persönlichen Besessenheit" einen "widerwärtigen Todestrip" gemacht. Dagegen das "Time"-Magazin: Es sei schwer, "Gibsons Passion nicht zu bewundern". Er habe einen "ernsthaften, ansehnlichen, quälenden Film (gemacht), der ein totales Bekenntnis ausstrahlt". Während die Gewaltdarstellung alle anderen Eindrücke in den Hintergrund dränge, fehle es dem Film an Würde, bemängelte die "New York Times".<BR><BR>Die erste Pressevorführung des Films in Deutschland, der bei uns an Gründonnerstag anläuft, gab es gestern in München. <BR>

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