Errol-Flynn-Jubiläum: Ein schier unglaubliches Leben

Er wurde nur 50 – doch er erlebte mehr als genug. An diesem Samstag wäre Errol Flynn, schillernder Filmstar und tragische Figur, 100 geworden.

Schon der Name klingt erfunden, seine Biografie erst recht, aber – es ist alles wahr. Errol Flynn hieß wirklich so, er war Goldgräber, Journalist, möglicherweise sogar Menschenhändler, Hollywoodstar, Frauenheld, Trinker und ein unterschätzter Schauspieler, der erst kurz vor dem Tod seine beste Rolle spielte. Kurz: Dieser Mann ist so unwahrscheinlich, dass man ihn für erfunden halten könnte. Aber es steht fest – heute vor 100 Jahren kam Errol Leslie Thomson Flynn zur Welt.

Natürlich auf einer völlig bizarren Insel, dem australischen Eiland Tasmanien. Das leicht exotische gute Aussehen erbt Flynn von seiner Mutter, die polynesische Vorfahren hat. Er ist ein schlechter Schüler, unstet, verträumt und zugleich von beängstigender Lebensgier. Als Teenager macht er sich nach Neuguinea auf. In seinen Memoiren erinnert er sich, wie er Goldschürfer, Tabakfarmbetreiber, Diamantenschmuggler und weiteren Berufen nachgeht – die meisten an der Grenze zur Legalität.

Selbst wenn Flynn bei der Hälfte der Geschichten geflunkert hat, steht fest, dass er ein abenteuerliches Leben geführt hat. Fest steht, dass er wiederholt mit dem Gesetz in Konflikt geriet und in einen Tötungsfall verwickelt war.

Dennoch waren es für ihn wohl schöne Jahre. 1930 begleitet er einen Dokumentarfilmer zu einem Eingeborenenstamm. Flynn erscheint in ein paar Szenen. 1932 sieht ein Filmproduzent zufällig die Aufnahmen und heuert Flynn an. In „Meuterei auf der Bounty“ spielt er den Aufrührer Fletcher Christian. Er hat keine Erfahrung, aber er ist athletisch, sieht gut aus und lächelt einnehmend – das reicht Regisseur Charles Chauvel.

Außerhalb Australiens wird der Film nicht wahrgenommen, sogar dort läuft er nicht gut. Eine Zeitlang lässt sich Flynn treiben, dann packt ihn der Ehrgeiz, geht nach England. Fortan gibt er sich gern als Ire aus, weil er keine Lust hat zu erklären, wo Tasmanien liegt. Er will wohl auch nicht, dass jemand von seinem exzentrischen Vorleben erfährt. In England kommt er in einem Film unter. Dieser fällt einem Verantwortlichen von Warner Brothers auf, und so landet Flynn in Hollywood. Auf dem Weg lernt er die französische Schauspielerin Lili Damita kennen, die er bald heiratet. Am Ende seines Lebens dürfte er sowohl die Reise nach Hollywood als auch die Hochzeit bereut haben.

Zunächst läuft es gut. Flynn hat 1935 mit dem Hollywoodfilm „Unter Piratenflagge“ sensationellen Erfolg. Über Nacht wird er ein Star und dreht eine Serie von Kassenhits, darunter Klassiker wie „Robin Hood“. Aber er leidet zunehmend darunter, dass man ihn als Schauspieler nicht ernst nimmt. Bette Davis beispielsweise muss regelrecht gezwungen werden, an seiner Seite zu spielen – sie spricht ihm offen jegliches Talent ab.

Auch Flynns Privatleben ist nicht wie erhofft. Flynn ist notorisch untreu, der Satz „In like Flynn“ wird sprichwörtlich. Seine Frau lässt sich scheiden und ruiniert aus Rache mit ihren Unterhaltsklagen Flynns Finanzen nachhaltig.

Während des Zweiten Weltkriegs, als fast jeder Hollywoodstar im wehrfähigen Alter werbewirksam an die Front geht, muss Flynn in den USA bleiben. Er leidet an den Folgen einer Malaria-Infektion, muss das aber auf Druck des Studios geheimhalten. Man hält ihn für einen Drückeberger, und ein Prozess um die angebliche Vergewaltigung zweier Minderjähriger schadet dem Image zusätzlich, obwohl er freigesprochen wird.

Aber Flynn hat tatsächlich eine Schwäche für sehr junge Frauen. „Ich mag meinen Whiskey alt und meine Frauen jung“, bekennt er und nennt gleich sein zweites Laster, die Trunksucht. Er trinkt nicht nur viel, er säuft wie ein Loch. In den 40ern entdeckt er zudem das Opium für sich und richtet sich endgültig zu Grunde. Aus dem strahlenden Helden wird rapide ein aufgedunsener Drogenkranker, der älter aussieht, als er ist. Die Aufträge werden immer weniger, die Filme immer schlechter.

Auch seine offene Sympathie für sozialistische Ideale im politisch vergifteten Klima der Nachkriegszeit nicht eben karrierefördernd. Flynns Plan, einen eigenen Film zu drehen, scheitert. Danach ist er pleite und lebt auf einem Boot. In die USA kann er nicht mehr, weil er Millionen Steuerschulden hat. Als er 1956 wiederkommt, gilt er als Star von vorgestern und tritt in seichten TV-Shows auf, um überhaupt etwas zu verdienen. Er ist so fertig, wie man nur sein kann. Flynn versucht sich am Theater, was scheitert, weil er meist zu betrunken ist, um bis zum letzten Akt durchzuhalten. Als er eine Affäre mit einer 16-Jährigen beginnt, ist er endgültig unten durch.

Unverhofft kommt er doch noch zu einem großen Auftritt. In der Hemingway-Verfilmung „Zwischen Madrid und Paris“ spielt er einen Trinker so herzergreifend gut, dass es wehtut. Aber das Comeback kommt zu spät, Flynn ist ein gebrochener Mann. Am 14. Oktober 1959 stirbt er in Vancouver, erst 50 Jahre alt, an Herzversagen. Dem Arzt erzählt er vorher noch ein paar Witze. Ein kurzes Leben – aber ein großes.

von Zoran Gojic

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