Die ersehnten Schläge vom Chef

- Junges Mädchen mit Hang zum Masochismus sucht nach der Entlassung aus der Psychiatrie eine Stellung als Sekretärin. Die findet sie bei einem verschrobenen und rettungslos verklemmten Rechtsanwalt. Inmitten von Akten in der düsteren Kanzlei kommen sie sich näher . . . Doch "Secretary" ist kein Liebesfilm im herkömmlichen Sinn, und die Gefühle, die Lee Holloway (Maggie Gyllenhaal) und E. Edward Grey (James Spader) füreinander hegen, sind keinesfalls als "zart" zu bezeichnen.

<P>Das macht bereits die Eröffnungsszene klar: Mit einem Foltergerät um den Hals und an beiden Enden festgebundenen Händen erledigt Lee ihre Sekretariatsaufgaben, so gut es eben geht. In diesem absurden Zustand führt Regisseur Steven Shainberg seine Protagonistin ein. Die Arbeit macht ihr Spaß, denn Lee hat in ihrem Chef den natürlichen Gegenpart gefunden. </P><P>Die Masochistin muss sich nicht mehr im stillen Kämmerlein die Haut aufritzen, stattdessen wird sie vom Boss gequält. Der legt seine Angestellte schon mal übers Knie, wenn wieder zu viele Fehler in einem Geschäftsbrief stecken, und das ist genau das, was Lee sich erträumt.<BR><BR>Ein Spielfilm, noch dazu eine romantische Komödie, über derlei vielschichtige Obsessionen und solch Seelenverwandtschaft kann eigentlich nicht funktionieren. Dass "Secretary" aber doch eine feinsinnige, zärtliche, anfangs auch verstörende Liebesgeschichte geworden ist, ist allein der taktvollen Regie von Shainberg sowie den zwei großartigen Hauptdarstellern zu danken. In keiner Minute zieht Shainberg die sexuelle Andersartigkeit der beiden ins Lächerliche. Er zeigt großes Verständnis für seine geplagten Charaktere, für deren Unsicherheiten, versteckte Freuden und geteilte Lüste.<BR><BR>Shainbergs delikater Blick in die Abgründe geheimer Wünsche ist eine atmosphärisch ungemein dichte Ausleuchtung menschlicher Untiefen. So gesehen ähnelt "Secretary" sehr Michael Hanekes "Die Klavierspielerin". Doch während Haneke sein Thema mit schwerer Dramatik servierte, präsentiert Shainberg seine Variante heiter und mit viel schwarzem Humor. </P><P><BR>"Secretary"<BR>mit Maggie Gyllenhaal, James<BR>Spader, Jeremy Davies<BR>Regie: Steven Shainberg<BR>Sehenswert </P><P> </P>

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