Aus der Esoterik-Ecke

- Die Welt, in der wir leben, ist vollständig kontrolliert, ein künstliches Universum der Verblendung. Nur ein "Auserwählter" vermag, den Weg zur Wahrheit zu finden und den Krieg zwischen Menschen und Maschinen zu führen. Auf diesem Plot basiert die "Matrix"-Trilogie des Brüderpaars Wachowski.

<P>Im ersten Teil begann das so charmant wie hochspannend, sicher auch deswegen, weil es primär um Verunsicherung ging. Stellvertretend für uns Zuschauer wurde dem Helden Thomas Anderson die wahre Welt zur falschen. Aber auch künstlerisch faszinierte die rasante Mischung von Stilelementen aus Fernost und Hollywood, Comic und Cyberspace, Kung-Fu und Mythologie, Philosophie und Erlösungsreligion. Wichtiger als die Actionszenen waren Haltung und Lebensgefühl. Schnell wurde aus dem Kult ein Klassiker - "Matrix" war ein visuell aufregender, intellektuell anregender Film, populäres Massenkino, in dem Unterhaltung und tiefere Bedeutung kein Widerspruch sein müssen.</P><P>Normaler Actionfilm mit eitlen Darstellern</P><P>Die Fortsetzung "Matrix Reloaded" im Sommer und nun das Ende der Trilogie, "Matrix Revolutions", sind ein Exempel fürs Gegenteil: dafür, dass manches, was im Kino bedeutungsschwer daherkommt, tatsächlich nur hohl ist. Vor allem in der ersten Stunde nervt das gewaltig: Die besteht meist aus banalem Weltanschauungsgelabere, für das in Buchhandlungen die Esoterik-Ecke reserviert ist. Man raunt vom "Trainman", vom "Merowinger", vom "Architekten", und den "Wächtern". Am wichtigsten ist "Das Orakel", eine ältere Dame mit Ohrringen samt Jing-Jang-Symbol, die Sätze sagt wie: "Ja, so ist der Gang der Dinge, ein paar Bits verliert man, ein paar Bits gewinnt man." Oder die auf die Frage "Haben Sie das gewusst?" antwortet: "Nein, aber ich habe geglaubt."</P><P>Auch sonst wird geredet und geredet. Während manche Dialoge gute Chancen auf die "Goldene Himbeere" haben, findet die Handlung nur mühsam ihren roten Faden. Alles läuft auf einen doppelten Endkampf hinaus: Die Menschheit kämpft in computerdesignten Massenszenen ihr letztes Gefecht, und der zum blinden Seher mutierte reine Tor Neo tritt gegen das wild gewordene Programm "Smith" zum finalen Duell an. Um zu siegen muss er wie Jesus dem Gegner noch die andere Wange hinhalten.</P><P>Spannung kommt da wenig auf, Überraschungen und Humor gibt's ebenfalls kaum. Die Differenz zwischen Sein und Schein, genau das, was einst den Reiz von "Matrix" ausmachte, interessiert nicht mehr. Aber es gibt nichts Langweiligeres als etwas, das nach keinen Regeln funktioniert. Eine filmische Revolution ist "Matrix Revolutions" daher keineswegs. Bis auf wenige Szenen und Lichtblicke wie Jada Pinkett Smith in der Rolle der Niobe ist dies ein stinknormaler, eher lahmer Actionfilm mit öden, verhärmt und eitel agierenden Darstellern. Die Werbezeile des Films verspricht: "Alles was einen Anfang hat, hat auch ein Ende." Hoffentlich. (In München schon ab heute: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Royal, Gloria, Karlstor, Leopold, Münchner Freiheit, Autokino, Cincinnati, Gabriel, Cinema i.O., Museum-Lichtspiele i.O.)</P><P>"Matrix Revolutions"<BR>mit Keanu Reaves, Lawrence Fishborne, Hugo Weaving<BR>Regie: Andy und Larry Wachowski<BR>Erträglich</P>

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