Europäer sollten zusammenhalten

- Audrey Tautou, 24, wuchs als Tochter eines Zahnarztes in einer Kleinstadt in der Auvergne auf. Nach dem Abitur begann sie in Paris ein Studium der Literatur, das sie aber aufgab, als sie ein Stipendium an der Schauspielschule "Cours Florent" bekam. Nach verschiedenen kleineren Rollen in Film und TV erhielt sie ihre erste Hauptrolle in Jean-Pierre Jeunets Großstadtmärchen "Die fabelhafte Welt der Amélie". Jetzt kommt Audrey Tautous neuer Film "Wahnsinnig verliebt" (Regie: Laetitia Colombani) ins Kino.

"Amélie" wurde zum Welterfolg, und Sie wurden weltberühmt. Ihr Leben lang werden Sie "Amélie" sein. Wie geht es Ihnen heute? <BR><BR>Tautou : Ich hoffe eigentlich nicht, immer Amélie zu sein, jedenfalls nicht nur. Wirklich gute Schauspieler werden nicht nur mit einer Rolle identifiziert, auch wenn man bestimmte Auftritte natürlich immer im Gedächtnis behält. Es wird darauf ankommen, was ich in Zukunft machen werde.<BR>Es geht mir mit dem Erfolg sehr gut. Im Prinzip ist dies ja das, was sich jeder Schauspieler wünscht. Natürlich ist es schwierig, auf die Straße zu gehen. Es kostet Überwindung, die Métro zu nehmen. Man darf sich selbst bloß nicht zu wichtig nehmen. Aber immerhin kann ich mir jetzt frei aussuchen, welche Filme ich drehen will. Ich bekomme viel mehr Angebote.<BR><BR>Zuvor waren Sie recht unbekannt. Wie sind Sie überhaupt entdeckt worden? Den César für "Schöne Venus" gewannen Sie ja erst nach den Dreharbeiten für "Amélie".<BR><BR>Tautou : Jean-Pierre Jeunet hat mein Bild auf einem Plakat gesehen und bat mich zum Vorsprechen. Wenn das nicht funktioniert hätte, hätte ich die Rolle sicher nicht bekommen. Jeunet hat mir gegenüber dann behauptet, dass er sofort wusste: "Das ist meine Amélie." Aber später hat er zugegeben, dass das gelogen war: Ursprünglich hatte er "Amélie" nämlich der englischen Schauspielerin Emily Watson auf den Leib geschrieben, aber die hat dann im letzten Moment abgesagt.<BR><BR>Seit "Amélie" haben Sie zwei weitere Filme gedreht. Angelique, das Mädchen, dass Sie in "Wahnsinnig verliebt" spielen, hat ja einiges mit Amélie gemeinsam. Sie ist auch eine Romantikerin, eine Träumerin. Sind Sie selbst so? <BR><BR>Tautou : Überhaupt nicht. Privat habe ich damit nicht viel gemeinsam. Amélie ist eine Kunstfigur, eine Märchengestalt. Das ist sehr schön. Aber mein Leben ist viel alltäglicher. Außerdem bin ich längst nicht so rachsüchtig wie Angelique. Tatsächlich gibt es einige Gemeinsamkeiten zwischen den Figuren. Beide sind großzügig, verspielt, aber auch egozentrisch. Trotzdem ähneln sich die Rollen nur zum Teil. Das Drehbuch von "Wahnsinnig verliebt" gefiel mir, weil die Figur viel obsessiver ist, zwanghafter.<BR><BR>Beide Filme wirken alles in allem nicht gerade "typisch französisch". Sie sind überdrehter, verrückter, auch mehr auf Effekte ausgerichtet . . . <BR><BR>Tautou : Ich weiß offen gesagt nicht, was "typisch französisch" sein soll. "Amélie" spielt sehr stark mit Frankreich- und Paris-Klischees. Ich möchte lieber vom europäischen, jedenfalls westeuropäischen Kino reden. Und das liegt mir sehr am Herzen. Jede Nation hat ihre spezifischen Eigenheiten, aber alle Westeuropäer verbindet doch viel Gemeinsames. Und sie unterscheiden sich vom US-Kino. Ich schätze es sehr, auch Hollywood, aber ich wünsche mir doch, dass die Europäer mehr zusammenhalten, sich mehr füreinander interessieren.<BR><BR>Welche deutschen Filme interessieren Sie denn?<BR><BR>Tautou : Ich will immer noch "Lola rennt" sehen. Ich mag Wim Wenders gern, auch Fassbinder.<BR><BR>Hollywood reizt Sie nicht - nach der Nominierung für den Auslands-Oscar?<BR><BR>Tautou : Es gibt US-Filme, die ich mag. Woody Allen oder Scorsese. Aber solche Action-Blockbuster wie es sie dutzendfach gibt - darauf kann ich verzichten. 

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