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European Outdoor Film Tour: Nervenkitzel im Kino

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Der Großstadtmensch führt heute ein eher adrenalinarmes Leben. Eine laue Nacht im Freiluftkino bei der European Outdoor Film Tour ist deshalb genau das Richtige für ihn.

München - Das große Abenteuer kostet neun Euro, nicht mehr. Mit dem Mountainbike über armdicke Felsbänder hinwegbalancieren, mit dem Kajak Wasserfälle hinabstürzen, sich die eiskalten Finger an den scharfen Kanten eines Himalaya-Gipfels aufreißen - man kann es erleben. Zumindest fühlt es sich ein wenig so an, wenn man den Extremsportlern der European Outdoor Film Tour (EOFT) auf der großen Leinwand zusieht. Am Montag hat die Film Tour 16/17 noch einmal Halt gemacht in München - im Kino, Mond & Sterne im Westpark.

Was macht der Großstadtmensch, wenn er ausbrechen will aus seinem Alltag? Manchmal geht er dann in ein Kino, offenbar auch heute noch, trotz Netflix und Smartphone. Hunderte Münchner sind mit dem Radl (Abenteuer!) in die Seebühne im Westpark gepilgert, um zwei Stunden den kontrollierten Nervenkitzel zu spüren. Um mitzuleiden mit den großen, komplett narrischen Gladiatoren des Sports, ihren manchmal wirren Lebensweisheiten zuzuhören, ihnen bei ihren oft behämmerten, immer professionell ausgetüftelten Höllenritten über die Schulter zu schauen.

Für zwei Stunden träumen sich die Münchner hinaus in die Welt: nach Nepal, Myanmar und in den Dschungel Papua Neuguineas - nach Baffin Island, ein Felsturmgespicktes Stück Land, irgendwo im ewigen Eis, weit hinter Grönland. Die Geschichten, die die Sportler in ihren Filmen erzählen, handeln diesmal erstaunlich oft vom Scheitern.

Da ist der Fluganzugmann, der die Liebe seines Lebens beim gemeinsamen Sprung in die Schlucht auf den Felsen schlagen sieht. Da ist der junge Kletterer aus Österreich, der mit dem alten Haudegen einen unbezwungenen Berg im Himalaya besteigen will, um sich seinem Sherpa-Vater näher zu fühlen - und kurz vor dem Gipfel umdrehen muss. Und da ist die Frau, die innerhalb von 24 Stunden nicht nur den Lhotse (8516 Meter) bestiegen hat, sondern gleich noch den Everest (8848 Meter) - und die Monate später in Myanmar erkennen muss, dass sie sich bei diesem Gipfelsturm übernommen hat.

Im Gedächtnis bleibt der letzte Film: „The Adventures Of The Dodo“ - die Abenteuer der Dodo. Vier durchgeknallte Profikletterer verbringen auf einem ranzigen Boot (Name: Dodo Delight) Monate im arktischen Meer, musizieren, saufen, kochen und schauen staunend ihrem Kapitän, einem 79 Jahre alten Schotten, dabei zu, wie er einen Eisberg mit zwei, drei Hammerschlägen zum bersten bringt. Zwischendurch durchsteigen sie noch tausend Meter hohe Steilwände, an denen noch nie ein Mensch geklettert ist, aber das ist eigentlich nicht mehr so wichtig.

Und dann nach zwei Stunden, wenn die Leinwand dunkel ist, steigt der Münchner auf sein Radl, nimmt sich vor, endlich mal wieder richtig weit weg in den Urlaub zu fahren, und radelt recht beschwingt heim.

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