Expedition ins Ich

- Isabelle Huppert wird von der internationalen Kritik geliebt, dennoch gibt die 52-Jährige nicht viel auf ihren Ruf als große Künstlerin. In Patrice Chéreaus Film "Gabrielle - Liebe meines Lebens" spielt sie die Titelrolle.

Sie haben einmal gesagt, dass Sie sich nicht als Künstlerin verstehen.

Huppert: Ich finde es immer seltsam, wenn Leute von sich behaupten, sie seien Künstler. Das stört mich. Denn was bedeutet das Wort Künstler heute noch? Das ist doch ein verschlissener Begriff. Ich glaube, in unserer Welt gibt es ohnehin keine Künstler mehr. Ich weiß nicht warum, aber ich verbinde mit diesem Wort eher Musik oder Malerei. Aber auf keinen Fall Schauspielerei. Für mich gehört zum Künstlertum auch eine besondere Art und Weise zu leben, die sehr weit entfernt ist von dem, was wir in unserem Alltag erleben. Aus allen diesen Gründen gehört "Künstler" nicht zu meinem Vokabular.

Wie war die Zusammenarbeit mit Chéreau?

Huppert: Wie jeder weiß, kommt Chéreau vom Theater und von der Oper. Er weiß ganz genau, was einen Schauspieler ausmacht. Wir haben nicht versucht, die Figur bis zum Äußersten der Grausamkeit zu bringen. Die Frau kehrt in einem sehr fragilen Zustand zurück, sie bewegt sich zwischen Triumph und Unterwerfung. Sie kehrt zurück, weil sie nicht anders konnte. Sie ist zu schwach, um ein neues Leben zu beginnen. Doch sie hat die Offenbarung gehabt, was ein anderes Leben sein könnte. Daher kehrt sie mit neuem Mut zurück. All diese Gefühle teilt sie mit ihrem Mann, sozusagen als letzten großen Liebesakt. Sie stellt sich ihm in einem Akt von großem Mut. Das ist eine Form von grausamer Sanftheit.

Was bedeutet die Schauspielerei für Sie?

Huppert: Sie ist eine Expedition ins eigene Ich. Man entdeckt eine private, eine intime Welt.

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