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Stil, Eleganz und eine wunderbare Lässigkeit: Catherine Deneuve feiert heute ihren 65. Geburtstag (Archivfoto)

Catherine Deneuve wird 65

Exzesse hinter schöner Fassade

"Soll ich vielleicht ein Gedicht aufsagen?" Catherine Deneuve ist, anders kann man das gar nicht ausdrücken, einfach ziemlich cool. Man muss dafür nicht einmal ihre neueren Filme betrachten.

Es genügt einfach, ihr einmal zugesehen zu haben, wie sie sich in der Öffentlichkeit bewegt. Zum Beispiel bei einer Pressekonferenz, wo sie vor Beginn die wartende Journalistenriege mit Bemerkungen wie jener über Gedichtwünsche amüsiert. Und man erkennt: Die Deneuve, die heute ihren 65. Geburtstag feiert, hat Stil, Eleganz und vor allem eine wunderbare Lässigkeit.

Es ist die souveräne Lässigkeit der unangefochtenen Grande Dame des französischen Kinos. Eine Dame, die weiß, was sie will, und auch, dass sie mit jeder Situation hervorragend umgehen kann. Man muss gar nicht die französischen Kultur-Talkshows gesehen haben, in denen sie über Bücher und Geschichte und zur Not sogar über ihr Facelifting parlieren kann. Es genügt hinzuschauen, ihren Blicken zu folgen und dem gelegentlichen Zucken der Mundwinkel, den Gesten, mit denen sie die ständig glühende Zigarette hält, in jedes entfernt verfügbare Gefäß hineinascht.

Dazu diese Augen, die alles zu kennen scheinen - und man weiß: Man kann der Deneuve noch immer rettungslos verfallen.

Zwei Filme machten Catherine Deneuve Mitte der 60er-Jahre zum Weltstar: "Der Ekel" (1965) von Roman Polanski und Luis Buñuels "Belle de jour". "Der Ekel" ist die große Ausnahme ihrer Karriere. Denn da spielt sie nicht eine mehr oder weniger kultivierte Frau aus mehr oder weniger gutsituierten Verhältnissen. Die vielleicht tagsüber als Hure arbeitet oder ihren Ehemann betrügt, aber doch nie ganz den weitgesteckten Rahmen des Bourgeoisen verlässt. Bei Polanski ist sie eine fingernägelkauende Hypersensible, die schließlich ganz dem Wahnsinn verfällt. Fast unscheinbar wirkt sie da, verhuscht. Ein einziges Mal war sie nicht "die Deneuve". Danach immer.

Seitdem hat sie viele gute Filme gemacht, sich selten für Zweitklassiges hergegeben. Mit Gene Kelly spielte sie in Jacques Demys "Les Demoiselles de Rochefort", für Franois Truffaut, mit dem sie in den 70ern liiert war, unter anderem in "Das Geheimnis der falschen Braut", bei André Téchiné in fünf Filmen. Zuletzt war sie in André Desplechins herrlicher Familiengeschichte "Un Conte de Noël" zu sehen, für den sie in Cannes den "Preis des Festivals" gewann.

Bis heute ist die Deneuve, die auf der Anrede "Mademoiselle" besteht - mit Roger Vadim und Marcello Mastroianni, den Vätern ihrer beiden Kinder, war sie nie verheiratet - eine schöne Frau, so schön, dass es schwer zu sagen ist, worin ihre Wirkung als Schauspielerin besteht. Früher war es vielleicht das latent Verworfene, abgrundtief Amoralische, das hinter der allzu schönen Fassade zu lauern schien. Heute ist sie eine Frau mit Erfahrungen, der Melancholie des Alterns und der Fähigkeit zum Mitleid. Einerseits ist sie sehr diszipliniert. Ein "kleiner Soldat", wie sie sich selbst in ihren 2003 veröffentlichten Tagebüchern bezeichnet hat. Andererseits ist da noch mehr. Nicht nur Kontrolle, auch Exzess. Es muss einfach ein Irrtum sein, wenn in den Lexika steht, dass sie heute 65 wird.

Rüdiger Suchsland

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