Die Fabel vom Einzelgänger

- Es ist düster, kalt und immer ein wenig unwirklich. Das Island, das Dagur Kari in seinem Spielfilmdebüt "Noi Albinoi" zeigt, ist nicht schön, es ist eine Art weiße Hölle der Isolation. Und das Problem des traurigen Anti-Helden Noi ist es, dass er das jede Minute spürt, deutlicher als alle anderen auf dieser merkwürdigen Insel am Rande der Zivilisation.

<P>Der Teenager Noi (Tomas Lemarquis mit einer bemerkenswerten Vorstellung) ist ein Albino und in gewisser Hinsicht ein Abbild der Insel, auf der er gefangen ist: bleich und unnahbar. Er lässt niemanden an sich heran. Sein Außenseitertum zu kultivieren, ist im Grunde das einzige Vergnügen in seinem tristen Leben. Menschen, die ihm Hilfe und Unterstützung anbieten, stößt er vor den Kopf und empfindet das Verständnis, das man seinen Eskapaden entgegenbringt, als Demütigung, die er mit noch schrofferem Verhalten beantwortet. Trotzig stapft Noi durch den Schnee und sucht dabei genau das, was er ablehnt: Nähe.<BR><BR>Dagur Kari inszeniert das mit einer beeindruckenden Lakonie und in klirrend kalten Bildern. Mit religiösen Motiven durchwoben, aber ohne jedes Pathos wird eine Fabel von einem Einzelgänger erzählt, der zu spät erkennt, dass die Erlösung, nach der er sich sehnt, bildlich gesprochen immer nur eine Armlänge entfernt war. Ein Streifzug durch eine einsame Seele, der lange nachwirkt. </P><P><BR>"Noi Albinoi"<BR>mit Tomas Lemarquis<BR>Regie: Dagur Kari<BR>Sehenswert <BR></P>

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