Falsche Identitäten im Pariser Dauerregen

- Zwei Polizisten, konträr in Charakter und Alter, aber vom Leben ähnlich verhärtet, suchen einen mysteriösen Serienmörder. Das Ganze ist in Düsternis, Blut und Nebelschwaden getränkt. Diesem Erfolgskonzept des Thrillers "Die purpurnen Flüsse" blieb man auch bei der nunmehr dritten Verfilmung eines Jean-Christoph-Grangé-Krimis treu. Um möglichst wenig zu riskieren, besetzte man sogar Jean Reno wieder einmal als grantigen, wortkargen Flic mit nicht ganz blütenreiner Weste.

Dass "Das Imperium der Wölfe" nicht recht an die Besucherzahlen der beiden "Purpurnen Flüsse"-Teile anknüpfen kann, liegt also nicht an der Konstellation und schon gar nicht an der großartigen visuellen Umsetzung dieses mörderischen Verwirrspiels. Das Problem, mit dem Regisseur Chris Nahon hier gelegentlich leider mehr schlecht als recht hantiert, ist vereinfacht gesagt der politische Gehalt dieser Grangé-Vorlage.

Ging es in den ersten Filmen um fiktive Geheimbünde und durchgeknallte religiöse Fanatiker, dreht sich hier alles um die sehr reale Bedrohung durch die rechtsradikale türkische Terrororganisation der Grauen Wölfe, die bekanntlich nicht nur in Frankreich, sondern auch in Deutschland existiert. Doch entweder wusste Nahon (oder schon Grangé) zu wenig über die tatsächliche Struktur der Truppe, oder die nüchternen Fakten wurden zugunsten eines schneller fließenden Plots kurzerhand aus dem Drehbuch gestrichen; auf alle Fälle wird die Handlung immer konfuser. Das ist bedauerlich, denn in seinen inszenatorisch stärksten Suspense-Momenten erinnert "Das Imperium der Wölfe" mitunter sogar an moderne Thriller-Klassiker wie Jonathan Demmes "Das Schweigen der Lämmer".

Nahon, ein früherer Werbefilmer, hat sein Handwerk gut gelernt und setzt seine betörenden Kamerafahrten und Detailaufnahmen sehr überlegt ein. Allein die Logik bleibt in diesem opulenten, wunderschön anzusehenden Horrorfilm über Pariser Dauerregen, Gedächtnisverlust und falsche Identitäten irgendwo auf der Strecke. Macht aber nichts. Bis dahin sah's gut aus.

"Das Imperium der Wölfe"

mit Jan Reno, Jocelyn Quivrin

Regie: Chris Nahon

Annehmbar

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