Fast wie ein Möbelstück

- Dass die britische Königin Elizabeth II. sich Helen Mirren als "The Queen" angesehen hat, ist Regisseur Stephen Frears (63) nicht zu Ohren gekommen. Aber zumindest Premierminister Tony Blair und seine Ehefrau Cherie Blair sollen seinen Film "amüsant" gefunden haben, berichtet der Brite. "The Queen", der am Donnerstag in Deutschland anläuft, handelt von der Zeit nach dem Tod von Prinzessin Diana 1997.

In die Verlegenheit, einen Diener vor der Königin machen zu müssen, kam der Filmemacher mit dem Faible für proletarische Stoffe ("The Snapper", "The Van") noch nicht. "Ich habe es vermieden, sie kennenzulernen." Als Frears einmal gefragt worden sei, ob er die Königin treffen möchte, habe er Nein gesagt. Wie viele seiner Landsleute meint der Engländer, die Königin sei "irgendwie schon immer da gewesen", fast so wie ein Möbelstück. "Ich kann mich an ihre Krönung 1953 erinnern. Es war so langweilig!" Die Königin sei länger Bestandteil seines Lebens als irgendjemand -­ "eigentlich sogar länger als meine Mutter".

Ihm ist bewusst, dass die britische Monarchie und die Königin etwas Besonderes sind ­- und auch seltsam. "Wenn sie jetzt hereinkäme, würden wir uns alle wie Idioten benehmen ­- oder zumindest ich, weil ich Engländer bin." Ist die Königin tatsächlich so wie im Film? "Wahrscheinlich ist sie darin so, wie ICH sie gerne hätte", antwortet Frears. "Ich hoffe, sie ist so intelligent, menschlich und nachdenklich. Aber vielleicht ist sie sehr dumm, ich weiß es nicht."

Beim Blick hinter die Türen stützten sich die Macher des Films auf Medienmaterial, Bücher und Quellen nahe am Königshaus. "Eigentlich können wir nur raten", räumt Frears ein. Der Regisseur kann sich vorstellen, nach "The Deal" und "The Queen" noch einen Film über den Labour-Premierminister Blair zu drehen. Das Material sei da -­ besonders mit Blick auf die Zeit des Übergangs zwischen der Clinton- und Bush-Ära in den USA. Eine hohe Meinung von Blairs Entscheidungen hat Frears nicht: "Er hat so einen Narren aus sich gemacht."

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