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Sie sind dauerverlobt. Doch schaffen es Violet (Emily Blunt) und Tom (Jason Segel) auch vor den Traualtar?

"Fast verheiratet": Eine Liebesfilm-Revolution

Berlin - Regisseur Nicholas Stoller erfindet mit „Fast verheiratet“ die Romanze nicht neu – rollte sie aber charmant von hinten auf. Lesen Sie hier die Filmkritik:

Erst kommt der – traditionellerweise – eher stotternd als selbstbewusst vorgetragene Heiratsantrag. Anschließend funkelt der hochkarätige Verlobungsring am Finger der Dame. Bald darauf schwebt ein Traum in Weiß zum Altar. Geigen jubilieren, der Bräutigam lächelt verliebt, die Festgäste bekommen feuchte Augen. Hier, oder ein paar Minuten und einen Blechbüchsen-dekorierten Aufbruch in die Flitterwochen später, wird im Film üblicherweise abgeblendet. Produktionen, die sich mit dem „danach“ beschäftigen, enden meist als schwer verdauliches Beziehungsdrama. Schon Kurt Tucholsky wusste nämlich: „Glaub mir: wenn man sich näher kennt, dann gibt sich das mit dem Happy End.“

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Genau mit diesem in seiner Banalität oftmals alles zersetzenden Alltag beschäftigt sich Nicholas Stollers originelle Liebeskomödie „Fast verheiratet“. Bis zum Altar kommen der Chefkoch Tom (Jason Segel) und die Naturwissenschaftlerin Violet (Emily Blunt) allerdings gar nicht. Der Alltag holt beide schon bald nach dem Antrag auf den Boden der Realität zurück: Ihr wurde eine Stelle an der Uni in Michigan angeboten – er beschließt mitzugehen. Doch während Violet an der Uni vom Professor energisch umgarnt wird, verliert sich der arbeitslose Tom zuhause in Depressionen und sehnt sich heim ins sonnige Kalifornien. Die Hochzeit wird immer wieder verschoben, und bald ahnen beide, dass eine Trennung die sinnvollere Entscheidung wäre. Natürlich endet alles noch glücklich für die Langzeit-Verlobten, was „Fast verheiratet“ gegen Ende hin auch leider enttäuschend konventionell erscheinen lässt. Bis dahin aber bietet Stoller in seinen Abweichungen von der üblichen Romantic-Comedy-Kost sehr gute Unterhaltung voller angenehm überraschender Wendungen.

„Fast verheiratet“ wurde zwar von Judd Apatow produziert, der mit brachialhumorigen Geschlechterkampf-Komödien wie „Beim ersten Mal“ bekannt wurde. Doch Stoller gelingt es souverän, seinen Film mit weitaus mehr Charme und weniger Gags unter der Gürtellinie auszustatten. Er erfindet die Hollywood-Romanze nicht neu, er rollt sie quasi nur von hinten auf und belegt, dass für wahre Liebe weder Ring noch Trauschein wirklich notwendig sind. Und das ist für US-Liebesfilme ja schon eine kleine Revolution.

von Ulrike Frick

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