"20 Feet from Stardom": Die Stars hinter dem Star

Die Stars hinter dem Star: „20 Feet from Stardom“ setzt Backgroundsängerinnen ein Denkmal.

„Die im Dunkeln sieht man nicht“ – das wusste schon Bert Brecht, und das gilt insbesondere für die besten Backgroundsängerinnen der Welt: Mit ihren gigantischen Stimmen haben sie viele berühmte Hits maßgeblich geprägt, doch die Lorbeeren haben andere eingeheimst. Auf der Bühne standen sie stets im Schatten der Stars, nur wenige Meter vom Ruhm entfernt. Das Touren an der Seite von Musiklegenden erwies sich für viele von ihnen nicht als Sprungbrett für die erhoffte Solokarriere, sondern als Sackgasse. Trotz geplatzter Träume haben sie ihre Lebenslust und ihre Leidenschaft für die Musik nicht verloren. „20 Feet from Stardom“ erzählt ihre faszinierenden Geschichten.

Der preisgekrönte Dokumentarist Morgan Neville („Johnny Cash’s America“) holt die Gesangsstars aus der zweiten Reihe ins Rampenlicht – und setzt ihnen ein längst fälliges Denkmal. Herrliche Anekdoten, kostbare Archivaufnahmen und exquisite Interviews (auch berühmte Kollegen wie Mick Jagger, Sting oder Bruce Springsteen kommen zu Wort) gewähren einen intimen Einblick in die Mechanismen der Musikbranche: Neville zeigt, wie die meist afroamerikanischen Sängerinnen oft gnadenlos ausgebeutet wurden, mit Sexismus und Rassismus zu kämpfen hatten. Dennoch behält der feinfühlige, fesselnde Film stets seinen optimistischen Ton – und der sagenhafte Soundtrack bietet umwerfende Stimmen, wie es sie in dieser geballten Form wohl noch nie gab. Verdienter Lohn: der Oscar für die beste Doku des Jahres. (In München: Münchner Freiheit, Atelier, Monopol.)

Marco Schmidt

Rubriklistenbild: © snacktv

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