Feigheit, Blut und Männerehre

- Schon "Elisabeth", der Film, für den Shekhar Kapur 1999 mehrfach für den Oscar nominiert wurde, war ein Werk über gesellschaftliche Härte und die Selbstüberwindung eines Menschen. Mit "Vier Federn", einer Verfilmung des gleichnamigen viktorianischen Klassikers von A. E. W. Mason (er wurde schon viermal zuvor verfilmt, darunter 1939 spektakulär mit Ralph Richardson), erzählt der indische Regisseur nach der Geburtsstunde des Empire nun von dessen Hochphase und dem blutigen Krieg der Briten im Sudan des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

<P></P><P>Im Zentrum steht das Schicksal des jungen Offiziers Harry Feversham, der überraschend und kommentarlos aus seiner Einheit ausscheidet, kurz bevor diese in den Sudan abkommandiert wird - aus Feigheit vor dem Feind. Das hat für ihn soziale Folgen größeren Ausmaßes: Nicht nur seine Freunde und sein autoritärer Vater, auch seine Verlobte Ethne kehren ihm den Rücken - vier Federn erhält er als Symbol seiner verlorenen Ehre. Bald bereut Harry seinen Entschluss und reist allein in den Sudan.</P><P>In seinen starken Bildern, einer Erzählweise, die bei aller Straffheit auch Raum zum Verweilen lässt, ist "Vier Federn" ein Abenteuerfilm im klassischen Stil, erinnert auch durch seinen Schauplatz an große Kolonialepen wie Leans "Lawrence von Arabien". Und mit den Hauptdarstellern Heath Ledger ("Monster's Ball"), Wes Bentley ("American Beauty", "The Claim") und Kate Hudson ("Almost Famous") versammelt er die Crème de la Crème des jungen Hollywood. Doch seine von Kapur weitgehend undifferenziert nacherzählte Story um Blut und Ehre scheint gar zu altertümlich, um uns heute noch wirklich mitzureißen. (In München: Marmorhaus, Maxx, Apollo, Cinema und Museum i. O.)</P><P>Rüdiger Suchsland</P><P>"Die vier Federn"<BR>mit Heath Ledger, Wes Bentley, Kate Hudson<BR>Regie: Shekhar Kapur<BR>Sehenswert</P>

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